Mutieren wir künftig alle zu Avataren im Metaversum?
Zoonar.com/Aleksandr Khakimullin
Bild: Zoonar.com/Aleksandr Khakimullin Download (mp3, 26 MB)

Vis à vis - Was erwartet uns im Metaversum, Herr Weber?

Facebook-Chef Marc Zuckerberg nennt seine neue digitale Plattform "Metaverse". Den Begriff prägte bereits vor 30 Jahren der visionäre Roman "Snow Crash". Was sich daraus für unsere mögliche Zukunft in der Parallelwelt ableiten, erklärt der Roman-Übersetzter Alexander Weber. Von Christian Wildt

Facebook-Milliardär Mark Zuckerberg will uns bald in sein "Metaverse", eine dreidimensionale Plattform für soziale Medien, Messenger und Wirtschaftsdienste holen. Arbeiten, konsumieren und leben im Cyberspace – in der Science Fiction ist diese Idee schon oft durchgespielt worden. Aber ist eine virtuelle Parallelwelt auch gesellschaftlich wünschenswert?

Wenn Großkonzerne die Welt regieren

 

Alexander Weber hat Neil Stephensons Roman "Snow Crash" neu übersetzt, der vor 30 Jahren den Begriff des "Metaversums" geprägt hat. In der dortigen Vision können Menschen sich mit ihrem Avatar vergnügen, Geschäfte abschließen oder auch kriminellen Machenschaften nachgehen, berichtet Weber. Das Metaversum sei zudem eine absolute Klassengesellschaft. Wer Geld und Know-How hat, könne sich mit ausgefallener Ausstattung schmücken, während das Fußvolk sich mit Prototypen zufrieden geben muss.

Die reale Welt rund um das Metaversum hat sich in Stephensons Roman stark verändert. "Staaten sind zusammengebrochen, Großkonzerne regieren die Welt", berichtet Weber. Stephenson sei mit "Snow Crash" eine prophetische Dystopie gelungen. Auch deshalb sei der Autor als Zukunfts- und Technologieberater anerkannt. Zudem habe Stephenson in vielen seiner Bücher immer betont: "Wir haben es in der Hand, die Technik so zu nutzen, dass sie uns hilft, dass sie nicht zur Entmenschlichung beiträgt, sondern dazu, dass wir Potentiale besser nutzen können", sagt Weber.