Der Sarg von Königin Elizabeth II. mit der königlichen Standarte, der Imperial State Crown, dem Reichsapfel und Zepter wird in einer feierlichen Prozession nach der Trauerfeier in der Westminster Abbey durch die Straßen Londons gezogen (Bild: dpa / David Davies)
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100 Sekunden Leben - Republikanische Beerdigungen sind kürzer

Abermillionen Menschen haben am Montag die Beerdigung von Queen Elizabeth II. im Fernsehen verfolgt. Auch in Deutschland dürfte die Zuschauerzahl groß gewesen sein. Unser Kolumnist Thomas Hollmann wurde es bei all dem Pomp allerdings recht republikanisch ums Herz.

Abermillionen von Menschen haben sich gestern die Beerdigung von Queen Elizabeth im Fernsehen angeschaut. Und auch hierzulande dürfte die Zuschauerzahl groß gewesen sein. Unser Kolumnist Thomas Hollmann wurde es bei all dem Pomp allerdings recht republikanisch ums Herz…

Zwischendurch war ich einkaufen. Wir brauchten Milch. Als ich wieder kam, marschierten die Dudelsack-Soldaten noch immer die Straße lang. Da habe ich mich gefragt, ob es dem Royalen möglicherweise am richtigen Timing fehlt und die Leute hierzulande verrückt geworden sind, dass sie sich eine Beerdigung anschauen, die den ganzen Tag dauert.

Ich meine, Elisabeth war nicht unsere Königin. Oder ist sie das mit ihrem Tod geworden? Den Eindruck kann man gewinnen, sind auch ganz vernünftige Menschen plötzlich von einer Empathie erfüllt, die sie verstorbenen Arbeitskollegen eher selten entgegenbringen. Dabei standen die mit der Queen nie in der Teeküche. Die haben die überhaupt nicht gekannt.

Bei Loki Schmidt war das anders. Die hat sich auch zu Privatem geäußert, als Kanzler-Gattin und oberste Republik-Repräsentantin. An die Beerdigung von Loki Schmidt musste ich denken, als ich all den Pomp und das Trara sah. Loki Schmidts Beerdigung im Hamburger Michel war definitiv schlichter - und ergreifender.

Warmherzig, bescheiden, charakterstark und klug sei sie gewesen, hatte Henning Voscherau gesagt, der Freund der Familie, den nicht das Protokoll, sondern Loki Schmidt gebeten hatte, die Trauerrede zu halten. Möglicherweise war Elisabeth auch warmherzig, bescheiden, charakterstark und klug. Aber das wissen wir nicht. Denn Persönliches tat sie in der Öffentlichkeit nicht kund. Umso weniger verstehe ich die hiesige Sehnsucht nach royaler Darstellung. Die ist so nichtssagend.

Loki Schmidt hat mal erzählt, es sei ihr ein Trost, Teil dieser Erde zu bleiben, um eines fernen Tages vielleicht als Sandkorn an den Strand der Nordsee gespült zu werden. Allein wegen dieses einen universellen Gedankens einer einstigen Kanzler-Gattin bin ich voller Empathie für die Republik.