Eine junge Frau benutzt ihr Smartphone auf der Toilette
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100 Sekunden Leben - Das stille Örtchen als Tor zur Welt

55 Prozent der Erwachsenen in Deutschland nehmen ihr Handy mit auf die Toilette - und nutzen es dort auch. Das ist das Ergebnis einer Umfrage, das unseren Kolumnisten Thomas Hollmann nicht wirklich überrascht.

Mehr als die Hälfte der Klogänger hierzulande ist viral. Da kann man schon von einem Massen-Phänomen sprechen. Oder um es mit der Deutschen Presse-Agentur zu sagen: "Der Trend geht zum smarten Stuhlgang".

Nun haben die Leute schon immer auf der Toilette gelesen. Zur Not das Etikett des WC-Reinigers. Neu ist die Form der Gleichzeitigkeit. Es lässt sich parallel ausscheiden und einkaufen. Das ließ sich früher nicht. Das musste man hintereinander erledigen.

Sogar beim Online-Flirt kann man heute auf der Schüssel sitzen bleiben. Oder man guckt stattdessen ein paar Pornos. "Das stille Örtchen ist ein Tor zur Welt geworden", formuliert es die Deutsche Presse-Agentur beinahe lyrisch.

Wobei mich mal interessieren würde, was der Arbeitgeberverband zu dem Thema sagt, verlängert die Handynutzung doch mutmaßlich auch den Stuhlgang in den Betrieben. Und wer arbeitet das dann nach? Diese Frage könnte man mal bei "Hart aber fair" stellen. Oder gleich auf EU-Ebene. Nehmen in Spanien sogar 80 Prozent der Leute ihr Handy mit aufs Klosett. Und in Polen sind es immerhin noch 73. Da kann schnell mal WC-Neid aufkommen.

Ich glaube ja, dass wir in Deutschland über 55 Prozent liegen. Die Leute behaupten nur, das Handy draußen zu lassen. Vermutlich, weil sie den Akt der Ausscheidung für etwas Heiliges halten, das durch so etwas Profanes wie Facebook nicht entweiht werden darf. Die deutsche Ernsthaftigkeit halt. Auf der anderen Seite: Das Etikett eines WC-Reinigers ist nun auch nicht sehr gehaltvoll. Und wird nicht gehaltvoller, selbst wenn man es fünfmal durchliest.