Ein Hund springt im Brunnen unterhalb des Fernsehturms am Alexanderplatz einem Stein hinterher (Bild: dpa / Jörg Carstensen)
dpa / Jörg Carstensen
Bild: dpa / Jörg Carstensen Download (mp3, 2 MB)

100 Sekunden Leben - Mailand oder Berlin? Hauptsache Brunnen!

In Mailand sind seit gestern die Brunnen abgestellt. Der Bürgermeister der Stadt reagiert mit dieser Maßnahme auf die anhaltende Dürre in der Lombardei. Unser Kolumnist Thomas Hollmann hofft, dass ein solcher Schritt in Berlin nicht nötig sein wird.

In Mailand sind seit gestern die Brunnen abgestellt. Der Bürgermeister der Stadt reagiert mit dieser Maßnahme auf die anhaltende Dürre in der Lombardei. Unser Kolumnist Thomas Hollmann hofft, dass ein solcher Schritt in Berlin nicht nötig sein wird.

Unser Brunnen plätschert noch. Ich bin gestern gleich hin. Aus allen acht Auslässen sprudelt das Nass. Worüber sich womöglich auch die nackte Mutter freut, die darüber in Stein gehauen ihr Kind an die Brust presst. Wie auch der Mann nichts anhat, der das Ensemble vervollständigt, indem er seine Geliebte umschlingt. Diese Nudisten-Ästhetik der Berliner Brunnen erschließt sich mir nur schwer. Aber Hauptsache, es sprudelt. Denn das kühlt das Gemüt, wenn man dem Fließen dabei zuschauen kann.

Sicherheitshalber habe ich dann aber doch bei den Berliner Wasserbetrieben angerufen. Denn Brunnen lassen sich ja auch abstellen. Nein, die Bezirke würden eine Trockenlegung nicht erwägen, seien die Brunnen doch geschlossene Systeme, die das immergleiche Wasser ausspuckten. Zudem verfügten große Anlagen wie die am Strausberger Platz über Windmesser, die die Fontäne drosselten, sollte es böig werden und Wasser auf die Straße wehen.

Da war ich beruhigt, zu hören, dass ein Problem mit technischem Sachverstand angegangen wird. Lassen sich doch die wenigsten Krisen einfach abschalten. Auch weil sie bisweilen mehrere Ursachen haben.

Wie die Privatbohrer, auf die die Wasserbetriebe gar nicht gut zu sprechen sind. Werden die Privatbohrer doch immer mehr, die das Berliner und Brandenburger Grundwasser anzapfen, um damit ihre pompösen Swimmingpools zu fluten. Und der Spreewald gehört eigentlich auch verboten, lässt sich auf den vielen flachen Kanälen zwar ausgezeichnet staken, vor allem aber verdunstet darin das Wasser.

Bliebe noch die Frage zu klären, ob sprudelnde Brunnen ein falsches Signal aussenden, nämlich das des Hedonismus und der bloßen Verschwendung? Umgekehrt lassen sich all die Berliner Brunnen-Nackten anders wohl nicht aushalten, als mit einem beruhigenden Plätschern.