Cocktails und Kerzenschein
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100 Sekunden Leben - Tag des Lichts

Unser Kolumnist Thomas Hollmann hat nichts gegen Alkohol. Aber den Tag des Mix-Getränkes will er dann lieber doch nicht mitfeiern – und spricht stattdessen lieber über das Licht.

Am Freitag ist zwar der Internationale Tag des Cocktails, aber ich trinke lieber Bier. Wie ich auch bevorzuge, über den Internationalen Tag des Lichtes zu reden. Der ist am Montag und wird von der Unesco gefeiert - und nicht von irgendwelchen Alkoholikern. Wobei die internationalen Kulturversteher wohl auch gerne mal ein Glas trinken.

Und da hat die Unesco natürlich Recht, dass die Welt ohne Licht kulturell ziemlich düster wäre. Lässt sich im Dunkeln doch weder forschen noch Theater gucken. Auf der anderen Seite hat Goethe seinen Götz von Berlichingen nicht nur den Satz mit dem Arsch sagen lassen, sondern auch: "Wo viel Licht ist, ist starker Schatten". Ein deutlicher Hinweis auf die Ambivalenz des Lichtes.

Zieht selbiges bekanntlich die Motten an. Wie auch andere Insekten, die dann stundenlang um die Laterne rumeiern und von der lichtscheuen Fledermaus nicht erbeutet werden können. Das Rotkehlchen wiederum hält die dauerbeschienene Großstadtnacht für den frühen Morgen und flötet sich einen Ast. Und der Feldhamster denkt bei all der Helligkeit, dass der Winter ausfällt. Was den Feldhamster derart verwirrt, dass er sich nicht mehr paaren mag und inzwischen vom Aussterben bedroht ist.

Das künstliche Licht kann also auch ein natürlicher Feind sein. Das sollte die Unesco bedenken, dass Goethe am Ende zwar "mehr Licht" wollte, die Tierfreunde die Welt aber lieber etwas runterdimmen wollen. Geradeso wie an einer Cocktailbar. Dort ist es ja gerne mal etwas schummeriger. Was durchaus von Vorteil sein kann, wenn man selber und sein Gegenüber nicht immer bis auf die letzte Falte ausgeleuchtet ist.

Also, ich hätte nichts gegen eine funzelige Welt. Zumal man an einer guten Cocktailbar ja auch ein Bier bekommt.