Ein Mann hält eine Wunderkerze in seiner Hand
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100 Sekunden Leben - Wohin bloß an Silvester?

Unser Kolumnist Thomas Hollmann weiß nicht, wo er Silvester feiern soll. Und daran ist ausnahmsweise mal nicht Corona schuld. Vielmehr handelt es sich um eine spontane Not-Absage der geplanten Feierlichkeiten.

Meine Silvester-Party fällt aus. Der Gastgeber will die Gastgeberin jetzt doch nicht heiraten. Da ist gemeinsames Feiern gerade nicht so angesagt. Verstehe ich. Aber hätte er sich das nicht etwas früher überlegen können als vier Tage vor Jahresende?

Ich könnte beim Nachbarn klingeln und fragen, ob er noch eine Zwiebel übrig hat. In der Hoffnung, der Nachbar erkennt den Hintersinn meiner Frage und die persönliche Notlage. Aber wahrscheinlich macht der Nachbar auch keine Party.

Irgendwie ist den Leuten Silvester egal, ist mein Eindruck. Jedenfalls mehr egal als vergangenes Jahr, als Corona bei uns seine Silvester-Premiere feierte und man meinte, sich dagegen wehren zu müssen.

Raus auf die Straße lohnt auch nicht. Das Altenheim-Feuerwerk fällt ebenfalls aus. Was in diesem Falle eine echte Gemeinheit ist. Ging das Feuerwerk doch immer pünktlich um zwölf los und hörte nicht vor eins auf. Ganz großes Pyro-Kino war das vor unserem Altenheim. Dass ich mich immer gefragt habe: Wo haben die nur die Kohle für dieses Wahnsinns-Feuerwerk her? Sollten die Pfleger den Alten möglicherweise ein wenig geholfen haben - beim Scheine-Rausrücken? Muss ich mich diesmal nicht fragen.

Und wie das neue Jahr wird, frage ich mich schon gar nicht. Kommt eh anders. Das Dschungelcamp weiß ja auch noch nicht, ob es nach Südafrika darf, oder die Sendung die Seuche hat. Apropos: Florian Silbereisen wird Juror bei "Deutschland sucht den Superstar". Und der WM-Fußball rollt im Advent durch die Wüste.

Das sind eher deprimierende Aussichten. So hoffnungslos darf die letzte Kolumne eines Jahres natürlich nicht enden. Deshalb die gute Nachricht zum Schluss: Wunderkerzen sind erlaubt.