Döner zu Weihnachten – das könnte Kolumnistin Doris Anselm glatt passieren.
Zoonar.com/Bernd Juergens
Bild: Zoonar.com/Bernd Juergens Download (mp3, 2 MB)

100 Sekunden Leben - Wie der Spekulatius-Döner in die Welt kam

Einmal Spekulatius-Döner mit alles, bitte! Döner zu Weihnachten – das könnte Kolumnistin Doris Anselm glatt passieren. Sie ist erklärter Weihnachtsmuffel. Zum Glück schnappt sie in Berlin immer wieder Ideen auf, die das Festliche mit dem Würzigen versöhnen.

Meistens sind meine Mitmenschen viel kreativer als ich. Deshalb belausche ich sie gern, das gebe ich zu. Gerechtigkeitshalber hier also der Aufruf an die beiden Jungs Anfang 20, die neulich in der Schlange vor mir am Dönerstand Köfte, Cola und Ayran bestellt haben. Wenn sie sich beim Hörerservice melden, mit Imbissname, Ort und Datum, überweis ich ihnen sofort die Hälfte des Honorars für diese Kolumne weiter, versprochen.

Folgendes spielte sich ab. Der größere der beiden Jungs wollte eigentlich Döner, aber der Kleinere war der Meinung, das passe nicht zur Weihnachtszeit. Köfte schon eher, fand er, bisschen festlicher und so. Darauf der Große: "Döner passt immer, Digga! Kannst Du ja weihnachtlich machen, machst Du Spekulatius-Döner".

Tja, und so verdiene ich mein Geld: Mitten in der Schlange driftete ich ab in eine Welt, wo der Spekulatius-Döner Realität war. Und zwar nicht im Café, sondern wirklich integriert in die Dönerkultur. Ich bestelle, und der Verkäufer, der aussieht wie alle jungen Dönerverkäufer, nämlich wie Jesus, und hinter dem ein kleiner Weihnachtsbaum am Spieß rotiert, schaufelt den Spekulatius ins Brot und stellt mir dann die traditionellen, liturgischen Dönerstand-Fragen: "Salat alles?" Und ich so: "Kein Bratapfel, bitte." – "Welsche Soße?" – "Äh … Vanille und Orange gemischt." – "Mit süß?" – "Nee, danke, extra süß vertrag ich nicht."

Darauf er: "Willst du als Menü?" Ich so: "Gerne!" Und er brüllt nach hinten: "Ein Glühwein!" Für Muslime gibt’s natürlich alkoholfreien Mandelmilch-Ayran. Klingt eigentlich echt lecker. Also hier nochmal ein Hinweis an die beiden Jungs von neulich: Falls ihr jetzt meine Ideen klaut und mit Lebkuchenfalafel reich werdet, machen wir das mit dem Geld bitte andersrum. Klar, Digga? Schöne Feiertage.