Annalena Baerbock, Bundesaussenministerin, startet zu ihrer ersten Auslandsreise nach Paris, Bruessel und Warschau.
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100 Sekunden Leben - Frauenfeindliches Englisch

Außenministerin Annalena Baerbock wird in den sozialen Medien bisweilen hämisch für ihr Englisch kritisiert, was von manchen Zeitungskommentatorinnen als frauenfeindlich gewertet wurde. Eine Schlussfolgerung, der sich Thomas Hollmann nicht anschließen mag.

Im Tagesspiegel wurde behauptet, wer sich über das Englisch unserer neuen Außenministerin lustig macht, ist ein Frauenfeind. Na, das kann ja heiter werden, habe ich mir da gedacht, wenn die Baerbock so redet wie der Oettinger.

War dann aber doch enttäuscht, als ich mir ihre Antrittsrede in Brüssel angehört habe. Okay, "th" kann sie nicht. Und dass sie an dieser Londoner Elite-Uni studiert haben will, hört man ihr genauso wenig an. Aber der ehemalige EU-Kommissar ist dann doch nochmal ein anderes sprachliches Kaliber. "Füfti pörssänt off bissnäss is psücholotschi." Sensationell! Einfach "Oettinger" googeln, dann kommt schon "Englisch". "On sä won hänt", ist der Oettinger immer noch ein Hit.

Das hat eben eine nachhaltige Wirkung, wie Politiker reden. In Brüssel hat der Mann trotzdem Karriere gemacht hat. Wie auch Guido Westerwelle Außenminister wurde, obwohl er dem BBC-Reporter partout nur auf Deutsch antworten wollte. Umso weniger verstehe ich, warum Frau Baerbock jetzt schon wieder all ihre Verteidigerinnen beispringen, so als wäre sie von all den Frauenfeinden ein weiteres Mal genötigt worden, ihren Lebenslauf zu fälschen.

Die Absicht dahinter kapiere ich schon: Weil keiner als Frauenfeind dastehen will, kritisiert man dann lieber den Lindner. Irgendwo muss man ja hin mit seiner Kritik. Die in diesem Falle wohl tatsächlich männerfeindlich wäre. Wie ich auch schon befürchte, künftig nicht mehr über Günther Oettinger lachen zu können, ohne mich der CDU- und Schwaben-Feindlichkeit schuldig zu machen. "On sä won händ". Auf der anderen Seite hilft da Psücholotschi auch nicht weiter.