Teilweise verhüllt ist ein großflächiges Banner, eine Figurendarstellung "People’s Justice" (2002) des Kollektivs Taring Padi mit den umstrittenen Figuren. foto: dpa/Swen Pförtner
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Kultur - Antisemitische Bildsprache: Wie konnte das passieren?

Auf der documenta ist das umstrittene Werk mit antisemitischen Motiven mittlerweile abgedeckt worden. Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, bemängelt eine kuratorische Gesamtverantwortung und sieht einen Strukturfehler.

Nach den Antisemitismus-Vorwürfen gegen die documenta hat der Deutsche Kulturrat den Ausstellungsmachern schwere Fehler vorgeworfen. Das betroffene Exponat sei eindeutig antisemitisch und gehöre abgehängt, findet Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats. Auf dem mittlerweile verhüllten Banner ist unter anderem ein Soldat mit Schweinsgesicht zu sehen. Er trägt ein Halstuch mit einem Davidstern und einen Helm mit der Aufschrift "Mossad".

Eine der größten Dummheiten

 

Zimmermann kritisiert, dass die Vorkomnisse um das Exponat trotz einer monatelangen Debatte über Antisemitismus auf der documenta passiert seien und trotzdem alle Veranstalter versichert hätten, keine antisemitischen Exponate anzubringen. "Es ist zumindest eine der größten Dummheiten, an die ich mich überhaupt erinnern kann im Kulturreich", sagt der Kulturrats-Geschäftsführer.

Documenta ohne Verantwortliche

 

Zimmermann sieht einen strukturellen Fehler bei der Organisation der documenta in diesem Jahr. Es gebe offensichtlich keine kuratorische Gesamtverantwortung: "Das heißt, die Geschäftsführerin lehnt diese Verantwortung ab, das Land Hessen und auch die Stadt Kassel sagen: "damit haben wir letztendlich auch nichts zu tun", aber auch die Künstlergruppe [...] sagt, dass sie keine Kuratorinnen und Kuratoren sind." Er fordert ein dringende Debatte im Kulturbereich, wie es dazu kommen konnte und wie es in Zukunft verhindert werden kann.