Regisseur Edward Berger (vorne) nimmt den Preis für «Im Westen nichts Neues» aus Deutschland für den besten internationalen Spielfilm bei der Oscar-Vverleihung im Dolby Theatre in Los Angeles entgegen. (Bild: dpa)
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Interview - Filmjournalist: "Im Westen nichts Neues" ist nicht fürs Kino gemacht

Der Filmjournalist Rüdiger Suchsland hat die diesjährige Oscar-Verleihung verfolgt. Er spricht darüber, warum der Oscar diverser geworden ist. Aus seiner Sicht ist an dem Oscarfilm "Im Westen nichts Neues" problematisch, dass es kein Film ist, der fürs Kino gemacht wurde.

Die 95. Verleihung der Academy Awards sei "eine der offensten Oscarverleihungen seit langem" gewesen, sagt der Filmjournalist Rüdiger Suchsland. Durch eine Regeländerung sei der Oscar vor einigen Jahren diverser geworden und habe viele neue Mitglieder in die Oscaracademie aufgenommen.

"Das klassische Hollywood hat gestern eindeutig verloren", so Suchsland. Der Filmjournalist verweist etwa auf Steven Spielbergs "The Fabelmans", der keinen Preis bekommen hat. Dies sei ein toller Film, aber aus heutiger Sicht altmodisch.

Zum Oscarfilm aus Deutschland "Im Westen nichts Neues" sagt Suchsland: "Das Problematische ist, dass es kein Film ist, der fürs Kino gemacht wurde." Der Film sei nur wenig in "Alibivorstellungen" im Kino gelaufen. "Und das kann nicht die Zukunft des Kinos sein."

Zu "Im Westen nichts Neues" Suchsland: "pazifistischer Film durch Abschreckung"

 

Der Film selbst steigere das eigentliche Kriegserlebnis. "Das ist ein pazifistischer Film durch Abschreckung", sagt der Filmjournalist und vermutet, dass der Film ohne den Ukraine-Krieg nicht so erfolgreich geworden wäre.

Kein einziger Cent der Deutsche Filmförderung sei in den Film geflossen, betont Suchsland. Das liege an den Regularien, dass Streamingfilme nicht gefördert werden: "Es zeigt natürlich auch, dass die deutsche Förderung vollkommen den Kontakt zur Realität verloren hat."

Zur aktuellen Lage des Kinos sagt Suchsland, 2022 seien die Menschen nach der Pandemie wieder ins Kino zurückgekommen. Aber die Pandemie habe die Streamer wirklich groß gemacht. Wie nachhaltig das ist, werde sich noch erweisen.

Hintergrund

"Im Westen nichts Neues" erhält vier Oscars

Das deutsche Antikriegsdrama "Im Westen nichts Neues" hat bei der Oscar-Verleihung in der Nacht zu Montag vier Preise gewonnen.

Das Werk des Regisseurs Edward Berger wurde als bester internationaler Film ausgezeichnet - außerdem für die beste Kamera, die beste Filmmusik und das beste Produktionsdesign.

Vorlage für die Netflix-Produktion ist der Roman von Erich Maria Remarque. Darin wird der erste Weltkrieg aus der Sicht deutscher Soldaten geschildert.

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