Wolfgang Thierse im Portrait beim Interview in der Westlobby des Reichstagsgebäude
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Interview - Wolfgang Thierse: Zweifel an Protestform der "Letzten Generation"

Vor einem Jahr haben sich etwas mehr als 20 Menschen in Berlin auf den nassen Asphalt gesetzt und Autobahnausfahrten blockiert. Das war die erste Aktion derjenigen, die viele dann später "Klimakleber" nannten. Der ehemalige Bundestagspräsident Thierse hat Verständnis für, aber auch Fragen an die Protestbewegung.

Der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse sieht die Proteste der "Letzten Generation" ambivalent. "Ich habe Verständnis, aber habe auch grundsätzliche Fragen", so der SPD-Politiker. Die eigentliche Frage sei, ob es gelinge, dass sich die "Letzte Generation" auf Demokratie einlasse, auf den Versuch, das eigene, bessere Wissen in Mehrheiten umzusetzen.

Mehrheiten beschaffen

 

Ziviler Ungehorsam und Proteste seien legitim, doch man müsse bei den Protestformen genauer hinschauen. Der Zweck müsse in den gewählten Mitteln sichtbar sein, so Thierse. In diesem Zusammenhang kritisiert der SPD-Politiker die Proteste der Klimademonstranten in Museen.

Scharfer Protest erzeugt Trotz

 

Der ehemalige Bundestagspräsident bezweifelt, dass starke Protestformen zur Einsicht in der Bevölkerung führen: "Je heftiger der Angriff ist, umso heftiger die Ablehnung und die geringere Bereitschaft sich selbstkritisch mit dem eigenen Verhalten zu beschäftigen. Der frontale Angriff erzeugt eher Trotz und Uneinsichtigkeit, als dass er Einsicht befördert", gibt Thierse zu bedenken.