Archivbild: Christine Lambrecht (SPD), Bundesministerin der Verteidigung, nimmt an im Oktober 2022 an einer Sitzung des Bundeskabinetts im Bundeskanzleramt teil.
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Interview - Politologe von Lucke: Lambrecht-Rücktritt ist überfällig

Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) hat am Montagmorgen ihren Rücktritt erklärt. Zuvor hatte es bereits Spekulationen darum gegeben. Politikwissenschaftler Albrecht von Lucke sagte schon vor der Bekanntgabe, dass dies der richtige Schritt sei: "Frau Lambrecht war in dem Sinne gar nicht mehr zu halten."

"Das Silvestervideo hat ihr, würde ich sagen, den Rest gegeben - sie sich selbst übrigens", sagt Politikwissenschaftler Albrecht von Lucke. Es sei völlig unverständlich, warum dieses Video so dilettantisch gemacht und dann auch noch vermeintlich als privat deklariert wurde. Offenbar trete Frau Lambrecht jetzt die "Flucht nach vorne" an und ziehe sich aus eigenem Antrieb zurück, erklärt der Politikwissenschaftler.

Rücktritt würde Scholz unter Druck setzen


"Es ist natürlich ein Rücktritt, der für den Kanzler absolut zur Unzeit kommt", so von Lucke. "Das macht einem Olaf Scholz, der sich ohnehin in gewaltigen Problemen befindet, gerade mit Blick auf die Leopard-Lieferungen, […] weitere Schwierigkeiten."

Es gehe jetzt nicht nur um die Frage, wer Lambrecht nachfolge, so der Politikwissenschaftler, sondern auch darum: "Wie geht man insgesamt mit dieser ungemein schwierigen Frage der Verteidigungspolitik um?" Aus seiner Sicht komme eigentlich nur eine Politikerin für die Nachfolge in Frage, sagt von Lucke, "denn die SPD ist nicht gerade stark an Verteidigungsexperten".

Deswegen könne es im Prinzip nur auf Eva Högl hinauslaufen, meint er. "Das ist die Bundeswehrbeauftragte, die seit Jahren ins Amt eingeführt ist, die Expertin ist. Sie ist faktisch damit die erste Wahl."

Hinweis: Das Interview wurde zwei Tage vor der offiziellen Rücktrittserklärung geführt.

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