Ein Polizist steht in dem von Klimaaktivisten besetzten Braunkohleort Lützerath (Bild: dpa)
dpa
Bild: dpa Download (mp3, 8 MB)

Interview - Klimaaktivist zu Lützerath: "Es ist äußerst bedrückend"

Der Energiekonzern RWE will in Lützerath Kohle abbaggern. Dafür wird das Unternehmen schon 2030 aus der Kohle ausstiegen. Anselm Meyer-Antz von der Initiative "Kirchen im Dorf lassen" erklärt, dass der Kohleabbau dazu führen werde, dass Deutschland den Pariser Klimavertrag verletzt.

Anselm Meyer-Antz von der Initiative "Kirchen im Dorf lassen" beschreibt den Beginn der Räumung des Protestes gegen den Abbau der Kohle unter Lützerath in Nordrhein-Wastfalen als "ein Bild aus den schlimmsten Schlachten aus dem Herrn der Ringe".

Die Polizei sei in Montur gegen die Klimaaktivisten vorgegangen. Er berichtet von Schmerzgriffen und dem Einsatz von Schlagstöcken. "Es ist äußert bedrückend", so der Gegner des Kohleabbaus.

Zu Berichten über Angriffe auf die Polizei erklärt Meyer-Antz: "Wer in dieser Weise den Pariser Klimavertrag missachtet, der sollte sich nicht darüber beschweren, wenn junge Menschen, die hier an dieser Stelle für Zukunft kämpfen, an der einen oder anderen Stelle ausfällig werden."

Zudem kritisiert der Vertreter der christlichen Klimabewegung den geschlossenen Kompromiss zum Kohleabbau unter Lützerath: "Hier geht eine schwarz-grüne Regierung hin und macht mal eben ein Dorf platt, bei dem wir von den Volumina her wissen, dass das Plattmachen dieses Ortes mit Sicherheit darin enden wird, dass Deutschland den Pariser Klimavertrag verletzt."

Hintergrund

Der Energieriese RWE will den Weiler abreißen, um die unter der Ortschaft Lützerath gelegene Braunkohle abbaggern zu können. Gegen die Pläne protestieren Klimaschützer, die das Dorf besetzt halten.

Die schwarz-grüne Landesregierung in Nordrhein-Westfalen steht hinter den Plänen zur Räumung des Dorfes, das zu einem Symbol im Streit um den Ausstieg aus fossilen Energien und die Klimapolitik geworden ist.

Hintergrund der Räumung ist ein im vergangenen Oktober von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck, NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur und RWE-Chef Markus Krebber vorgelegter Plan, nach dem der Ausstieg aus der klimaschädlichen Kohleenergie in NRW bereits 2030 und damit früher als geplant erfolgen soll.

Kurzfristig soll aber angesichts der Energie-Krise in der Folge des russischen Einmarsches in der Ukraine mehr Kohle abgebaggert werden. Der Ort Lützerath müsse also weichen, um den Bedarf zu decken.

Laut RWE-Berechnungen werden mit dem früheren Aus für die Kohle-Kraftwerke im rheinischen Revier rund 280 Millionen Tonnen Klimagase weniger ausgestoßen. Lützerath müsse von RWE für den Braunkohleabbau in Anspruch genommen werden, hatte NRW-Wirtschaftsministerin Neubaur eingeräumt - "auch wenn ich es mir anders gewünscht hätte."

An der grünen Basis sind die Pläne indes umstritten. Eine entsprechende Abmachung zur
Energie-Politik hatte auf einem Grünen-Bundesparteitag nur eine knappe Mehrheit erhalten.

Quelle: Reuters

Auch auf rbb24inforadio.de