Polizisten rücken in den von Klimaaktivisten besetzten Braunkohleort Lützerath vor (Bild: picture alliance/ dpa)
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Interview - Polizei zu Lützerath-Räumung: "Haben uns auf mehrere Wochen vorbereitet"

Am Mittwoch hat die Polizei damit begonnen, das besetzte Dorf Lützerath zu räumen. Der Polizeisprecher von Aachen, Frank Rentmeister, erklärt, wie der Einsatz angelaufen ist. Er sagt: "Wir würden uns natürlich alle wünschen, dass der Einsatz möglichst früh und gewaltfrei zu Ende geht."

Am Morgen habe die Polizei das gesamte Gelände umstellt, erklärt Frank Rentmeister. Dabei sei schnell den Beamten Gewalt entgegengeschlagen. Braunkohlegegner und Klimaaktivisten haben demnach Pflastersteine auf Polizeibeamte geworfen und Pyrotechnik gezündet. Derzeit sei die Lage aber stabil.

Dennoch rechne die Polizei mit weiteren vorbereiteten Maßnahmen der Aktivisten, so Rentmeister. Eltern mit Kindern seien wie auch andere Personen aufgefordert worden, das Gelände zu verlassen. Zudem hätten sich Personen in Baumhäusern und Gebäuden verbarrikadiert.

Polizeisprecher: "Wir rechnen eh mit einem längeren Einsatz."

 

Die Polizei rechne nicht damit, dass der Einsatz am Mittwoch oder Donnerstag beendet werde: "Wir haben uns eh auf mehrere Wochen sogar vorbereitet." Der Polizeisprecher erklärt weiter: "Wir würden uns natürlich alle wünschen, dass der Einsatz möglichst früh und gewaltfrei zu Ende geht."

Dabei stehe die Sicherheit der Beamten und der Braunkohlegegner an erster Stelle. "Wir wollen den Ort räumen, das ist klar - das ist unser Auftrag - und nach Möglichkeit ohne Verletzte auf beiden Seiten", so Frank Rentmeister.

Hintergrund

Der Energieriese RWE will den Weiler abreißen, um die unter der Ortschaft Lützerath gelegene Braunkohle abbaggern zu können. Gegen die Pläne protestieren Klimaschützer, die das Dorf besetzt halten.

Die schwarz-grüne Landesregierung in Nordrhein-Westfalen steht hinter den Plänen zur Räumung des Dorfes, das zu einem Symbol im Streit um den Ausstieg aus fossilen Energien und die Klimapolitik geworden ist.

Hintergrund der Räumung ist ein im vergangenen Oktober von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck, NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur und RWE-Chef Markus Krebber vorgelegter Plan, nach dem der Ausstieg aus der klimaschädlichen Kohleenergie in NRW bereits 2030 und damit früher als geplant erfolgen soll.

Kurzfristig soll aber angesichts der Energie-Krise in der Folge des russischen Einmarsches in der Ukraine mehr Kohle abgebaggert werden. Der Ort Lützerath müsse also weichen, um den Bedarf zu decken.

Laut RWE-Berechnungen werden mit dem früheren Aus für die Kohle-Kraftwerke im rheinischen Revier rund 280 Millionen Tonnen Klimagase weniger ausgestoßen. Lützerath müsse von RWE für den Braunkohleabbau in Anspruch genommen werden, hatte NRW-Wirtschaftsministerin Neubaur eingeräumt - "auch wenn ich es mir anders gewünscht hätte."

An der grünen Basis sind die Pläne indes umstritten. Eine entsprechende Abmachung zur
Energie-Politik hatte auf einem Grünen-Bundesparteitag nur eine knappe Mehrheit erhalten.

Quelle: Reuters

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Ein Polizist steht in dem von Klimaaktivisten besetzten Braunkohleort Lützerath (Bild: dpa)
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Der Energiekonzern RWE will in Lützerath Kohle abbaggern. Dafür wird das Unternehmen schon 2030 aus der Kohle ausstiegen. Anselm Meyer-Antz von der Initiative "Kirchen im Dorf lassen" erklärt, dass der Kohleabbau dazu führen werde, dass Deutschland den Pariser Klimavertrag verletzt.