Wieder aufbereitete Marder-Schützenpanzer stehen in Unterlüß in Niedersachsen vor einer Halle des Rheinmetall-Werks.
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Interview - Sicherheitsexperte: Russische Waffenruhe ist "zynisch"

Die Ukraine bekommt französische Spähpanzer, deutsche Marder-Panzer und eine Patriot-Abwehrbatterie. Prioritäres Ziel des Westens sei, den russischen Angriffskrieg zu beenden, sagt Stefan Scheller, Sicherheitsexperte der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik.

Die Beendigung des russischen Angriffskriegs sei für den Westen "prioritär", sagt Reserveoffizier Stefan Scheller, der als Sicherheitsexperte bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik tätig ist. Neben humanitärer und wirtschaftlicher Hilfe leiste er dafür auch militärische Unterstützung. Stärker ausdifferenziert sei das Ziel des Westens - zumindest öffentlich - jedoch nicht.

"Das heißt, wir benötigen schon auch in Deutschland eine ehrliche Debatte darüber, auch über unsere eigenen Interessen", sagt Scheller. "Und nur daraus kann dann eine Strategie mit den Bündnispartnern entwickelt werden, die gewissermaßen auch gesellschaftlich abgesichert ist."

Abschied von der Idee bedingungsloser Verhandlungen


Man müsse einordnen, warum die Lieferungen jetzt kommen, so der Politikwissenschaftler. "Wir haben in den vergangenen Wochen einen unglaublichen Raketenkrieg Russlands gegen zivile Infrastruktur in der Ukraine gesehen", erklärt Scheller. "Und vermutlich sind die Panzerlieferungen - so schätze ich das ein - auch eine Art Absage an die Idee, dass sich Putin ohne Vorbedingungen an den Verhandlungstisch begeben soll."

Die von Russland angekündigte Waffenruhe zum orthodoxen Weihnachtsfest halte er für eine Finte und auch für zynisch, so der Sicherheitsexperte. "Es soll auch den Kritikern im Westen gewissermaßen Munition liefern, gegen Waffenlieferungen einzutreten."

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