Zwei Mitarbeiter machen sich an einem Flughafen bereit für einen Corona-Test, davor ein Schild mit der Aufschrift "From China".
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Interview - Corona: Virologe Stöhr gegen Tests von China-Reisenden

In der EU herrscht Uneinigkeit darüber, wie mit der schweren Corona-Welle in China umgegangen werden sollte. Der Virologe Klaus Stöhr sieht in durchgehenden Tests aller Einreisenden aus China jedenfalls wenig Sinn: Das Wissen um die Varianten helfe nicht bei der Eindämmung.

Überfüllte Krankenhäuser, Bestattungsunternehmen am Limit, täglich Millionen Infektionen - Corona überrollt China, nachdem die Regierung die strikten Corona-Beschränkungen aufgehoben hat. Die Dimension aber ist unklar. Gleichzeitig wächst die Sorge, dass die Mutationen auch den Weg zu uns finden.

Der Virologe Klaus Stöhr sitzt aktuell im Corona-Sachverständigenausschuss der Bundesregierung - dieser Ausschuss bewertet die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie. Durchgehende Tests von Einreisenden aus China, wie beispielsweise von Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) gefordert, findet er wenig sinnvoll: Er befürchtet weder eine Welle, noch glaubt er, dass man sie im Ernstfall durch Testen eindämmen kann.

"Ein Sturm im Wasserglas"

Wissenschaftlich könnte ein Monitoring an den Grenzen zwar interessant sein, aber in Fragen der Eindämmung hätte es keinen Nutzen, sagt Stöhr: "Wenn tatsächlich eine Variante, die den Immunschutz unterläuft, in China entstehen würde […], die ist dann auch schon bei uns. […] Und dann würde es noch immer fünf bis sechs Monate dauern, bis der neue Impfstoff produziert ist. Das hat also für diesen Winter keine Relevanz."

Das Virus werde seinen Weg hierher finden, daran könnten selbst Einreiseverbote nichts ändern. "Das ist ein Sturm im Wasserglas, den man hier politisch entfacht hat", so der Virologe.

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