Symbolbild: Eine Jugendliche zündet sich eine Zigarette an
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Interview - Mediziner: Zahl der jugendlichen Raucher fast verdoppelt

"Rauchen kann tödlich sein" steht auf jeder Zigarettenpackung. Bei Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahren hat sich die Zahl der Raucherinnen und Raucher laut einer Studie nahezu verdoppelt. Mediziner Daniel Kotz hält das für "eine besorgniserregende Entwicklung".

Studienleiter Daniel Kotz vom Institut für Allgemeinmedizin der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf zeigt sich schockiert über die stark steigende Zahl von jungen Raucherinnen und Rauchern in Deutschland. Sie habe sich für die Altersgruppe von 14 bis 17 Jahren im Vergleich zum vergangenen Jahr fast verdoppelt.

Auch der Konsum von E-Zigaretten hat zugenommen

 

Der Mediziner hat in allen Altersgruppen einen Anstieg beim Rauchen ausgemacht, nur stiegen die Zahlen bei den Erwachsenen schon seit etwa zwei Jahren. Auch der Konsum von E-Zigaretten habe zugenommen. Es sei "eine besorgniserregende Entwicklung", findet Kotz.

Mehr "tabakfreie Lebenswelten" schaffen

 

Mögliche Gründe sind Kotz zufolge: In Deutschland werde insgesamt zu wenig getan für den Nichtraucher-Schutz. Tabak sollte teurer werden, die Verfügbarkeit sollte reduziert werden und es sollten mehr "tabakfreie Lebenswelten" - etwa im Sportverein und in Gesundheitseinrichtungen - eingerichtet werden, wie der Wissenschaftler vorschlägt. Die anderen Länder in Europa tun ihm zufolge mehr dafür, dass Rauchen unattraktiv wird.

Im Jahr 2022 ist der Anteil der Raucherinnen und Raucher unter den 14- bis 17-Jährigen sprunghaft gestiegen und erreichte 15,9 Prozent dieser Altersgruppe, wie aus einer wissenschaftlichen Befragung über das Rauchverhalten (DEBRA) hervorgeht. Im Vorjahr 2021 hatte der Anteil in dieser Gruppe bei nur 8,7 Prozent gelegen.

Mit Material von AFP