Ein zerstörter russischer Panzer steht in Sviatohirsk, Ukraine.
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Interview - Russische Menschenrechtlerin: Frieden nur unter ukrainischen Bedingungen denkbar

Der Krieg in der Ukraine dauert nun schon mehr als zehn Monate an. Im neuen Jahr würden die Kämpfe noch härter werden, sagt die russische Menschenrechtlerin Irina Scherbakowa. Die Ukraine könne den Krieg nur gewinnen, wenn man sich solidarisch mit ihr zeige.

Scherbakowa ist Mitbegründerin der in Russland inzwischen verbotenen Menschenrechtsorganisation "Memorial". Diese hat 2022 den Friedensnobelpreis verliehen bekommen. Scherbakowa selbst lebt inzwischen im Exil in Deutschland.

"Es sieht nicht nach Frieden aus"

 

"Bei allen Hoffnungen, die man üblicherweise vor Beginn eines neuen Jahres hat", erwarte sie kaum, dass es bald eine Lösung im Ukraine-Krieg geben werde, so die Kulturwissenschaftlerin. "Es sieht nicht nach einem Frieden aus. Ich glaube, sogar umgekehrt: Wir müssen uns darauf vorbereiten, dass die Kämpfe noch härter werden." Russland werde wahrscheinlich noch in diesem Jahr oder Anfang 2023 eine neue Offensive starten.

"Russland ist ein viel größeres Land. Die Mobilisierung hat viele Menschen an die Front geholt", sagt Scherbakowa. Sie rechne damit, dass Moskau seine Hoffnung daraus schöpfe, dass es noch mehr potenzielle Soldatinnen und Soldaten für eine weitere Mobilisierung gebe. "Und was überhaupt nicht schade ist für Putin, das sind die Menschen", sagt sie.

Frieden unter russischen Bedingungen für Ukraine nicht annehmbar

 

"Ich glaube, ein Frieden mit den Bedingungen, die Russland stellt, ist für die Ukraine nicht annehmbar", erklärt Scherbakowa. Einerseits, weil das Land dadurch seine Unabhängigkeit verlieren würde. Andererseits aber auch wegen der Opfer, die bereits der Krieg gefordert habe - auch innerhalb der Zivilbevölkerung. Ein Frieden sei nur möglich, "wenn die ukrainischen Bedingungen […] angenommen werden."

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