Wolodymyr Selenskyj im Gespräch mit Joe Biden im Oval Office
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Interview - Militärexperte zu Selenskyjs USA-Reise: PR-Offensive für Ukraine

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat bei seiner USA-Reise um mehr Unterstützung für sein Land im Krieg geworben. Russland warnt derweil vor weiteren US-Waffenlieferungen. Marcel Berni von der Militärakademie an der ETH Zürich sagt, Selenskyj gehe es darum zu signalisieren, dass die Ukraine den Krieg gewinnen könne.

Überraschend war Wolodymyr Selenskyj am Mittwoch in die USA gereist. Es war der erste Auslandsbesuch des ukrainischen Präsidenten seit Kriegsbeginn. In einer Rede im US-Kongress hat er um weitere schwere Waffen gebeten. Die bislang gelieferte Artillerie reiche nicht aus.

Marcel Berni, Wissenschaftler an der Militärakademie der ETH Zürich, sieht in der Reise eine Art PR-Offensive von Selenskyj, um für die Unterstützung seines Lands im Krieg zu werben. Es gehe ihm darum, "dem Kongress, aber auch kriegsmüden Amerikanern und auch Russland zu signalisieren, dass die ukrainische Armee diesen Krieg gewinnen kann, auch wenn es sich in die Länge zieht".

Militärexperte: Ukraine braucht mehr westliche Hilfe im Krieg

 

Die Ukraine habe die Erfolge auf dem Schlachtfeld klar der Unterstützung der USA und auch insgesamt der westlichen Staaten zu verdanken, betont Berni. "Und Selenskyj weiß eben auch, dass die Ukraine mehr von dieser westlichen Hilfe benötigt", sagt er.

Zum Auftakt seines Besuchs in Washington hatte sich Selenskyj mit Joe Biden getroffen. Der US-Präsident hatte dabei weitere Militärhilfen zugesagt, unter anderem ein Patriot-Luftabwehrsystem. Militärexperte Berni sagt, dass dies die Lücken der ukrainischen Verteidigung schließen werde. "Das geht aber nicht über Nacht." Bis dahin werde Russland gezielt die Anfälligkeit des Luftabwehrsystem ausnutzen und Angriffe intensivieren.

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