Archivbild: Die Vorsitzende Richterin Kathleen Mittelsdorf (l) eröffnet im Juni 2022 am Landgericht Wiesbaden den Prozess gegen den Steueranwalt Hanno Berger (r).
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Interview - Urteil zu Cum-Ex-Skandal: "Großer Erfolg des Rechtsstaates"

Das Bonner Landgericht hat die Schlüsselfigur des Cum-Ex-Skandals, den Anwalt Hanno Berger, am Dienstag zu acht Jahren Haft verurteilt. Er sei "begeistert" von dem Urteil, sagt der Finanzexperte Gerhard Schick. Es sei ein eindeutiges Signal an Steuersünder und habe abschreckende Wirkung.

Das Urteil sei ein großer Erfolg des Rechtsstaates, so Schick. "Ich hätte das vor noch wenigen Monaten nicht für möglich gehalten, dass es gelingt, denn Hanno Berger hat sich in der Schweiz versteckt, dachte, da kann er der Justiz entkommen." Er sei begeistert davon, dass es nun gelungen sei, ihn zu verurteilen.

Schick: Urteil hat Signalwirkung

 

Das Urteil habe die abschreckende Wirkung, die er sich erhofft habe, so der Vorstand der Bürgerbewegung Finanzwende und frühere Bundestagsabgeordnete der Grünen. "Auch jemand, der jetzt nicht selber solche Geschäfte macht, sondern als Berater sie unterstützt und vorantreibt, muss mit der Härte der Justiz rechnen und kann hinter Gittern landen."

Hanno Berger habe die illegalen Cum-Ex-Deals nicht erfunden, aber weiterentickelt und vermarktet, erklärt Schick. Zudem habe er versucht, die juristische Aufarbeitung zu verhindern. Im Cum-Ex-Skandal wurde der Staat bei Aktiengeschäften ausgetrickst, so dass Kapitalertragssteuern zurückerstattet wurden, die nie gezahlt worden waren. Der Schaden insgesamt für den Staats liegt bei rund 10 Milliarden Euro.