Die unter Korruptionsverdacht stehende Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments Eva Kaili.
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Interview - EU-Korruptionsskandal: Lobby Control fordert bessere Kontrollen

Wegen des Verdachts auf Korruption sitzt die griechische Vizepräsidentin des EU-Parlaments Eva Kaili in Untersuchungshaft. Ihr wurden bereits alle Befugnisse des Amtes entzogen, nun geht es darum, ob sie offiziell abberufen wird. Über den Korruptionsskandal sprechen wir mit Timo Lange vom Berliner Büro der Organisation LobbyControl.

Es klingt wie aus einem schlechten Politthriller: Eine Politikerin macht gute Stimmung für ein autoritäres Regime, bekommt dafür viel Geld, das sie in Reisetaschen verstaut und in ihrer Wohnung lagert. Schließlich fliegt der Deal auf, die Politikerin wandert ins Gefängnis, und alle anderen sind empört.

Der Fall der griechischen EU-Parlaments-Vizepräsidentin Eva Kaili hört sich genauso an – sie soll Bestechungsgelder aus Katar angenommen haben, um politische Entscheidungen zugunsten des Golfstaates zu beeinflussen.

Katars Vorgehen dreist - passt aber ins Bild

Diese Vorgehensweise sei in ihrer Dreistigkeit überraschend, sagt Timo Lange von der Antikorruptionsorganisation Lobby-Control – sie passe jedoch ins Bild, "da wir immer wieder in den vergangenen Jahren Versuche beobachtet haben autoritärer Regime aus dem außereuropäischen Ausland, Einfluss zu nehmen." Aserbaidschan oder zuletzt auch Russland seien so auffällig geworden.

Die EU müsse Wege finden, solch eine Einflussnahme in Zukunft noch besser zu verhindern, so Lange. Die EU-Regeln gegen Korruption seien allerdings schon mehrfach verschärft worden: "Die sind summa summarum nicht so schlecht, auch im internationalen Vergleich. Natürlich helfen aber auch die besten Regeln nichts, wenn genügend kriminelle Energie da ist, kann das umgangen werden. Aber wir müssen hier insbesondere auch die Aufsicht, die Kontrolle und die Durchsetzung der Gesetze stärken."