Operation im Unfallkrankenhaus Berlin
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Interview - Patientenschützer: "keine entscheidende Verbesserung" durch Lauterbachs Reformpläne

Gesundheitsminister Karl Lauterbach hat angekündigt, dass die Versorgung in Krankenhäusern künftig weniger stark an finanziellen Kriterien ausgerichtet werden soll. Im Krankenhaus solle der Patient im Mittelpunkt stehen, sagt der Vorstand der Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch. Doch genau das sei bei Lauterbachs Plänen nicht der Fall.

Krankenhäuser seien dafür da, kranke Menschen wieder gesund zu machen oder ihr Leiden zu lindern, sagt Brysch. "Das heißt: Der Patient muss im Mittelpunkt stehen. Und da sehe ich keine entscheidende Verbesserung."

"All das steht nicht in dem Papier"

 

Es gebe immer noch keine funktionierende Prozesssteuerung und die Patientinnen und Patienten würden nicht durch die Therapie gelenkt. Transparenz, Wartezeiten, Doppelversorgung und viele Therapien, „all das steht da nicht in dem Papier“, so Brysch.

Der Patientenschützer kritisiert auch die Ankündigung von Gesundheitsminister Karl Lauterbach, die geplante Reform bringe eine "Revolution“ des Krankenhaussystems. "Dann merkt man, das sind schöne Worte“. Mit dem Inhalt des neu vorgestellten Papiers sei er aber nicht zufrieden.

Brysch spricht von "Hop-on-Hop-off-Patienten"

 

"Wenn ich dann weiß, der zukünftige Patient soll ein Hop-on-Hop-off-Patient werden, der quasi am Morgen rein, am Abend wieder raus und am nächsten Morgen wieder rein – und das über mehrere Tage", da frage er sich, wie das realisiert werden solle.

"Ich sehe die Realität in den Krankenhäusern, höre den Minister und frage mich: Wie soll seine Maßnahme etwas bringen?" Insbesondere müsse Lauterbach die Länder mit einbinden in die Planungen. Außerdem brauche es in Deutschland Ambulanzen, die den Krankenhäusern vorgeschaltet seien. "Um zu wissen: Hier ist ein Patient, der ins Krankenhaus muss und hier ist ein Patient, den können wir anders versorgen."