Interview - Gaß zu Krankenhausreform: "Keine Revolution, aber notwendige Neujustierung"
Gesundheitsminister Karl Lauterbach nennt seine geplante Reform der Krankenhausfinanzierung eine "Revolution". Dem stimmt Gerald Gaß, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krankenhausgesellschaft, zwar nicht zu. Er spricht aber von einer "notwendigen Neujustierung".
Die Arbeit der Mitarbeitenden in den deutschen Krankenhäusern sei „unglaublich verdichtet", sagt Gaß. Und deshalb sei es richtig, neue Impulse zu setzen, "die die Krankenhäuser auch finanzieren, wenn sie nicht diese hohe Fallzahl erbringen." Der Bund müsse sich nun mit den Ländern einigen. "Denn die Länder sind zuständig auch für das Thema Krankenhausplanung. Und die Finanzierung und die Planung hängen zusammen."
15 Milliarden nicht refinanzierte Kosten
Außerdem müsse der Bund erkennen, dass zum Start der geplanten Reform die Krankenhäuser ausreichend finanziert sein müssten. Im Moment sei es so, dass Krankenhäuser wegen der Inflation 2022 und 2023 etwa 15 Milliarden nicht refinanzierte Kosten zu tragen hätten, sagt Gaß.
Dieses Geld werde im System gebraucht, damit man auf Basis einer besseren finanziellen Lage die geplante Umverteilung starten könne. "Ansonsten verteile ich Mangel um. Und dann wird es so bleiben, dass die Krankenhäuser nicht ausreichend Personal beschäftigen können", so der Krankenhaus-Chef.
Gaß: "In jedem Fall ein erster Schritt"
"Es ist in jedem Fall ein erster Schritt, was die Finanzierung angeht." Aber Krankenhäuser hätten auch viele weitere Regularien zu erfüllen, insbesondere bei den Personalstrukturvorgaben. "Hier muss auch wieder mehr Verantwortung in die Krankenhäuser selbst verlagert werden."
Man müsse wegkommen von einer kleinteiligen Regulierung, die es beispielsweise unmöglich mache, auf die aktuelle Situation in den Kinderkliniken passend zu reagieren. "Auch das muss die Politik zukünftig regeln, da warten wir noch auf adäquate Vorschläge", fordert Gaß.