Menschen unterhalten sich beim Pavillon von China beim UN-Klimagipfel COP27.
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Interview - Germanwatch nach COP27: China muss mehr in die Verantwortung genommen werden

Deutsche Politikerinnen zeigen sich nach dem Ende der Weltklimakonferenz enttäuscht. Ein klares Bekenntnis zum Ausstieg aus fossilen Energien ist unter anderem am Widerstand von China gescheitert. Lutz Weischer, politischer Leiter der Umweltorganisation Germanwatch, fordert, den Druck auf Peking beim Klimaschutz zu erhöhen.

"Was man bei allem Frust nicht übersehen darf: Dieser neue Fonds, der ärmste Länder dabei unterstützen soll, mit den katastrophalen Folgen der Klimakrise umzugehen, ist ein echter Durchbruch, ist ein großer, großer Erfolg", sagt Weischer. Aber in vielen anderen Bereichen sei es ein sehr schwaches Ergebnis.

"Die Chinesen haben klare rote Linien"

 

"Die Chinesen spielen bei den internationalen Klimaverhandlungen immer sehr hart, haben da klare rote Linien für sich definiert.“ Peking lege wert darauf, dass das Land laut Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen als Entwicklungsland zähle und deshalb nicht im gleichen Maße verpflichtet sei wie die Industrieländer.

Weischer kritisiert das als "nicht mehr zeitgemäß“. „China muss zunehmend in Verantwortung genommen werden“, sagt er. Denn das Land habe einen hohen Pro-Kopf-Ausstoß an Treibhausgasen. "Das Thema muss ganz, ganz oben auf die Agenda für die Staats- und Regierungschef der EU“, fordert Weischer.

Weischer fordert Angebote für Länder des globalen Südens

 

Es müsse aber auch darauf geachtet werden, was andere Länder tun. China verstecke sich nämlich hinter anderen Entwicklungsländern, sagt Weischer. "Solange die Länder des globalen Südens insgesamt das Gefühl haben, […] die Länder des Westens tun nicht genug, ist es einfach für China, auch den Druck auf sich selber zu vermeiden.“ Deshalb brauche es Angebote beim Klimaschutz für Länder in Afrika, Asien und Lateinamerika. "So kann man dann auch Druck auf China aufbauen."