Eingang zum Gasag-Kundenzentrum
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Interview - Preiserhöhung bei Gasag: Verbraucherzentrale fordert Moratorium für Gassperren

Der Berliner Energieversorger Gasag hat angekündigt, die Preise ab Januar deutlich zu erhöhen. Der Arbeitspreis wird dann pro Kilowattstunde ungefähr doppelt so hoch sein wie bislang. Thomas Engelke, Energieexperte beim Verbraucherzentrale Bundesverband, fordert ein Moratorium für Gassperren.

Diese Ankündigung kommt nicht ganz unerwartet. Die Berliner Gasag zieht ihre Preise kräftig an. Ab Januar kostet die Kilowattstunde etwa doppelt so viel wie bisher, dann fast 20 Cent. Der monatliche Grundpreis dagegen bleibt gleich. Das Unternehmen begründet das mit weiter hohen Preisen für Erdgas an den Großhandelsmärkten. Obwohl es da ja zuletzt doch deutlich zurück ging.

Preisanpassungen landen zeitlich versetzt bei Haushalten

Thomas Engelke, Energieexperte beim Verbraucherzentrale Bundesverband, sagt, dass die Preise für die privaten Haushalt immer zeitlich versetzt angepasst werden. Daher werde es auch in den nächsten Monaten zunächst noch Preiserhöhungen geben, bevor die Preise möglicherweise ab der zweiten Jahreshälfte 2023 wieder sinken.

Hohe Mehrkosten erwartet

Nach der Erhöhung der Gasag-Preise heißt das laut Engelke für einen Vier-Personen-Haushalt mit einem durchschnittlichen Gasverbrauch von etwa 20 000 kw/h, dass er künftig fast das Doppelte zahlt - nicht mehr gut 2000 Euro im Jahr, sondern knapp 4000. Das sind etwa 160 bis 180 Euro mehr im Monat.

Hilfsleistungen greifen nicht bei allen gleich

Wer direkt mit einem Gas-Versorger einen Vertrag geschlossen hat, der bekommt für den Dezember die Gas-Rechnung erstattet. Das ist Teil des Hilfspakets der Bundesregierung. Engelke verweist darauf, dass das jedoch nicht für Menschen gilt, die ihre Energie über den Vermieter bekommen. Eine Gegenrechnung findet hier erst mit Jahresendabrechnung statt. Das bemängeln die Verbraucherzentralen und fordern zudem weitere Maßnahmen, die die Lücke bis zur Gaspreisbremse schließen.

Gassperren sollen vermieden werden

Dennoch wird es Menschen geben, die trotz Unterstützung die Gaspreise nicht zahlen können. Um Gassperren zu vermeiden, fordert der Verbraucherzentrale Bundesverband ein Moratorium. "Wir sind damit auch im Gespräch mit der Bundesregierung. Wir wollen, dass es für diesen Winter und auch für den nächsten Winter ein Moratorium gibt, dass die, die es nicht bezahlen können, trotzdem versorgt werden und dann im Winter nicht frieren müssen."

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