Symbolbild: Eine Demonstrantin der Gruppe "Letzte Generation" sitzt, umringt von Polizeibeamten, auf der Ausfahrt der Stadtautobahn am Sachsenring
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Interview - "Letzte Generation": Protestform, "die nicht ignoriert werden kann"

Die Aktionen der "Letzten Generation" für Klimaschutz sorgen für immer mehr Unmut. Organisator Theodor Schnarr sagt, man habe eine Protestform gewählt, die nicht ignoriert werden könne - weil auch die Katastrophe, die drohe, nicht mehr ignoriert werden dürfe.

Aufrütteln, den Betriebsablauf stören. Klar machen: Es gehe nicht weiter so in der Klimakrise. Das ist die Methode der Klima-Protestierenden derzeit – sie beschmutzen, behindern, kleben sich fest. Aber wie weit sollten, dürfen solche Proteste gehen?

Theodor Schnarr ist einer der Organisatoren der Aktionen. Er erklärt seine Motivation: "Wir wissen: Wir kommen in Situationen, wenn wir diesen Weg, den wir aktuell gehen, weitergehen, wo wir Gefahr laufen, unsere Gesellschaft zu verlieren, unsere Zivilisation zuverlieren. Und das ist nicht ersponnen oder ausgedacht, sondern das sind wissenschaftliche Betrachtungen."

Zukunft kommender Generationen werde "sehenden Auges verspielt"

Deswegen, so Schnarr, müsse eine Protestform gewählt werden, "die nicht mehr ignoriert werden kann, weil diese Katastrophe, die vor uns liegt, nicht mehr ignoriert werden darf".

Seiner Meinung nach gebe es noch die Chance, auf eine lebenswerte Zukunft. "Die Frage ist: Wie kommen wir dahin, dass eine Gesellschaft gemeinsam aufsteht und das einfordert? Und da hat uns die Geschichte gezeigt, ist ziviler Widerstand, genau dieses Unterbrechen vom Alltag, auch wenn es unangenehm und störend ist, das effektivste Mittel."

Dafür würde Schnarr auch längere Gewahrsamszeiten in Kauf nehmen: "Wenn Frau Spranger sagt: Okay, es sind 96 Stunden – dann gehen wir 96 Stunden in Gewahrsam. Wir machen das ja nicht gerne. Ich bin Naturwissenschaftler, ich bin verheiratet, ich würde jetzt gerne meine Familie planen und wahrscheinlich in irgendein Haus ziehen. Stattdessen muss ich auf den Straßen von Berlin sein, weil die Zukunft genau dieser Kinder, die ich in die Welt setzen möchte, sehenden Auges verspielt wird."

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