Demonstranten küssen sich aus Protest gegen die Fußball-WM in Katar. Sie halten ein Schild mit der Aufschrift "Queeren Hass wegballern!" in der Hand.
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Interview - Homophobie in Katar: "Menschenrechte sind nicht verhandelbar"

Am kommenden Sonntag beginnt die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar. Was bedeutet der Austragungsort für queere Fußballfans? Der LGBTQI-Aktivist Bernd Reisig fordert von Katar Toleranz und Welthoffenheit. Wer sich ein internationales Großereignis ins Land hole, müsse sich auch an internationale Regeln halten.

Das Wissen um die Menschenrechtsverletzungen in Katar trübe seine Vorfreude auf die WM, sagt Reisig. Trotzdem vermutet der Gründer der Initiative "Liebe kennt keine Pause - gegen Homophobie in Katar" aber, dass sich queere Fußballfans während des Turniers in Katar sicher fühlen können. Garantien gebe es aber nicht. Reisig hat das Land vor zwei Wochen gemeinsam mit Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) besucht.

Reisig: WM-Boykott ist nicht realistisch

 

Katar mache zwar Zugeständnisse an die internationale queere Community. "Uns sagt man, ihr könnt mit Regenbogenfarben rumlaufen, ihr könnt als Pärchen erkennbar im Stadtbild sein, also auch Händchen halten oder einen Kuss geben", so Reisig. Das Problem sei aber, dass diese Grundsätze nicht an die eigene Bevölkerung weitergegeben würden. "Natürlich wird sich die Situation dann nach der WM sehr wahrscheinlich wieder schlagartig verschlechtern."

Die Forderung nach einem Boykott der Weltmeisterschaft hält Reisig zwar für nachvollziehbar, aber wenig sinnvoll. Kurz vor Beginn des Turniers sei klar, dass es keinen weitreichenden Boykott geben werde. Deshalb wolle er sich lieber für Verbesserungen einsetzen.

Menschenrechte und Toleranz einfordern

 

Als Gastgeberland der Weltmeisterschaft fordert Reisig von Katar Toleranz und Weltoffenheit ein. "Menschenrechte sind nicht verhandelbar", sagt der Aktivist. Das bringe auch mit sich, dass jeder dorthin kommen und so leben und lieben könne, wie er will.

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