Kernkraftwerk Isar 2, Essenbach bei Landshut, mit Verkehrsschild Achtung Vorfahrt
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Interview - Atom-Strategie: Beer sieht Deutschland in EU isoliert

Der Bundestag hat entschieden, dass drei Atomkraftwerke länger am Netz bleiben. Deutschland stehe in Europa allein da mit seiner restriktiven Atom-Politik, sagt die Vizepräsidentin des EU-Parlaments Nicola Beer (FDP). Angesichts der Energiekrise wendeten sich andere EU-Staaten der Kernkraft wieder zu.

Das Interview wurde vor der Entscheidung des Bundestags geführt

Nicola Beer (FDP) sieht Deutschland mit seinem Atomenergie-Kurs in Europa isoliert. Wir müssten zur Kenntnis nehmen, dass andere EU-Ländern versuchten, in Zeiten des Kriegs in der Ukraine - der auch ein Energiekrieg sei - so viel Strom wie möglich selbst zu produzieren, sagt die Vizepräsidentin des Europaparlaments. Es gehe darum, "keine Energiequelle auszuschließen, die wir selber in der Hand haben".

Beer: Atomenergie ist schnelle Lösung

 

Wichtig seien "natürlich auch andere Maßnahmen: schnellerer Ausbau erneuerbarer Energien, gemeinsam bei verlässlichen Partnern einkaufen", so Beer. Sie betont aber auch, man brauche für diesen Winter eine schnelle Lösung - und diese sei mit Atomenergie gegeben.

Hintergrund

Drei Atomkraftwerke in Deutschland bis Mitte April

Der Bundestag hat den Weg dafür freigemacht, dass die drei verbliebenen deutschen Atomkraftwerke erstmal noch weiterlaufen können.

375 Abgeordnete haben für den Regierungsantrag gestimmt, 216 dagegen. Es gab 70 Enthaltungen.

Isar 2 in Bayern, Neckarwestheim 2 in Baden-Württemberg und Emsland in Niedersachsen können damit noch bis Mitte April betrieben werden.

Dafür sollen aber keine neuen Brennstäbe beschafft werden, hat in der vorherigen Bundestagsdebatte unter anderem der Vorsitzende des Umweltausschusses von den Grünen, Ebner, betont. Auch die SPD sagte, dass es beim Atomausstieg bleibe.

Die aktuelle Lösung hatte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) vorgegeben, nachdem in der Regierungskoalition lange über das Thema gestritten worden war. Ursprünglich sollten die Atomkraftwerke Isar 2, Neckarwestheim 2 und Emsland nur noch bis zum Jahreswechsel betrieben werden.