Protest zur Unterstützung der Ukraine in Krakau
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Interview - Militärexperte zu Rückzug Russlands: Cherson war wichtig für Kreml

Am Mittwoch hat Moskau angekündigt, dass sich die russischen Truppen aus den westlichen Gebieten der umkämpften Region Cherson zurückziehen. Aus militärischer Sicht habe es keinen Sinn ergeben, die besetzten Gebiete zu halten, sagt Militärexperte Marcel Berni. Für den Kreml sei es dabei aber lange um Prestige gegangen.

Russland habe sich in einem Dilemma zwischen militärischer und politischer Logik befunden, sagt Marcel Berni, Strategieexperte an der Militärakademie der ETH Zürich. "Aus militärischer Logik machte es eben keinen Sinn, die besetzten Gebiete in Cherson zu halten. Aber der Kreml wollte das lange unbedingt, denn es geht um Prestige."

Militärexperte: Wurde für Russland schwierig, Cherson zu halten

 

Für Moskau sei es symbolisch wichtig gewesen, Gebiete westlich des Flusses Dnipro zu besetzen. Durch einen systematischen ukrainischen Beschuss sei es für Russland mangels Versorgung aber zuletzt immer schwieriger geworden, Cherson zu halten. Die Region sie für die Ukraine in den vergangenen Monaten ein großes Ziel gewesen, sagt Berni. "Sollte diese Eroberung jetzt ohne Kampf gehen, so sehe ich das militärische Momentum ganz klar auf ukrainischer Seite."

Prekäre wirtschaftliche Versorgung in der Ukraine

 

Auf der zivilen Seite sehe die Situation der Ukraine hingegen anders aus: "Die wirtschaftliche Versorgung des Landes ist prekär. Und darauf wird Putin jetzt pokern - insbesondere auch die ukrainische Zivilbevölkerung gegen die ukrainische Führung aufzubringen", sagt der Zürcher Experte. Er gehe aber nicht davon aus, dass das geschehen werde, sondern eher kontraproduktiv sei.

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