Zwei Personen halten das Jahresgutachten der Wirtschaftsweisen in den Händen.
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Interview - Wirtschaftsweise: Unwucht in bisherigen Entlastungspaketen

Die Wirtschaftsweisen haben am Mittwoch ihr Jahresgutachten an Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) übergeben. Darin schlagen sie vor, den Spitzensteuersatz zu erhöhen oder einen Energiesolidaritätszuschlag einzuführen. Die bisherigen Entlastungspakete seien nur "teilweise zielgenau", sagt Achim Truger aus dem Sachverständigenrat.

Neben einer Erhöhung des Spitzensteuersatzes halten die Wirtschaftsweisen auch die Einführung eines Energiesolidaritätszuschlags für eine Möglichkeit in der aktuellen wirtschaftlichen Lage, sagt Achim Truger. Er ist Teil des Sachverständigenrats, der am Mittwoch sein Jahresgutachten vorgelegt hat. "Worum es uns geht, ist im Grunde, die Unwucht, die in den bisherigen Entlastungspaketen drin ist, zu beheben. Die sind nämlich nur teilweise zielgenau", sagt der Professor für Sozioökonomie an der Universität Duisburg-Essen.

Bei den aktuellen Maßnahmen der Bundesregierung in der Energiekrise würden auch einkommensstarke Haushalte entlastet - "die brauchen das aber gar nicht", so Truger. Der Staat gebe in der angespannten Finanzlage zu viel Geld aus. Außerdem werde durch die Unterstützung des Konsums die Inflation weiter angeheizt.

Wirtschaftsweise: Rezession im Jahr 2023

 

In ihrem Jahresgutachten, das die Wirtschaftsweisen an Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) übergeben haben, korrigieren die Sachverständigen zudem ihre Konjunkturprognose für 2023 nach unten. Sie rechnen nun mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 0,2 Prozent. Die aktuell hohe Inflation kürze die Realeinkommen "und das führt dazu, dass der private Konsum sich sehr schwach entwickelt", erklärt Truger die Gründe dafür. Sollte es zu einer Gasmangellage kommen, könnte es "wirklich eine tiefe Wirtschaftskrise" geben.