Symbolbild: Frau schaut aus dem Wohnzimmer aus dem Fenster
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Interview - Frauenhaus-Koordinatorin: Häusliche Gewalt heißt auch Demütigung und Isolation

Ein Fußballstar hat seine ehemalige Partnerin geschlagen, geboxt, bespuckt und beleidigt. Nun wird Jérôme Boateng bestraft - weil sie den Mut hatte, vor Gericht zu gehen. Häusliche Gewalt geschieht täglich vielfach: Oft gehe es darum, "ein Netz der Kontrolle" zu spinnen, sagt Elisabeth Oberthür von der Frauenhauskoordinierung in Berlin.

Hier gibt es Hilfe

Betroffene Frauen in Brandenburg finden Hilfe über das Netzwerk der brandenburgischen Frauenhäuser e.V. - auf der Website sind für jede Region die Telefonnummern der Frauenhäuser aufgeführt.

Betroffene Frauen in Berlin können sich über die BIG-Hotline einen Platz in einem Frauenhaus vermitteln lassen: 030 / 611 03 00 - unter dieser Nummer bekommen auch Personen aus dem Umfeld der Frauen Hilfe und Beratung. Auch die Frauenberatungsstellen in Berlin können helfen.

Außerdem gibt es ein bundesweites "Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen". Die Nummer 08000 116 016 ist kostenlos und rund um die Uhr erreichbar.

Bei akuten Fällen von häuslicher Gewalt rufen Sie bitte immer die Polizei unter der 110 an.

Nach dem Urteil gegen den Fußballstar Jérôme Boateng wegen häuslicher Gewalt an seiner Ex-Partnerin, berichtet die Referentin von der Frauenhauskoordinierung in Berlin von dem Kontroll-Strategien der Täter. Blaue Augen und Schläge seien nur ein ganz kleiner Teil von häuslicher Gewalt, sagt Elisabeth Oberthür.

Häusliche Gewalt dreht sich um Kontrolle

 

Es gehe darum "Macht über eine Person auszuüben", so Überthür. Es werde etwa überwacht, mit wem man sich treffen darf, was man anzieht und wofür Geld ausgegeben wird. "Frauen werden isoliert und gedemütigt." So werde "ein Netz der Kontrolle" gesponnen.

Physische Gewalt als Eskalation

 

"Die physische Gewalt ist oft nur ein Moment der Eskalation", sagt die Frauenhaus-Koordinatorin. Ein Hemmnis Konsequenzen zu ziehen, sei oft, dass Frauen emotional nicht mehr in Lage seien, selbstbewusst und stark zu sein nach langer Zeit der Demütigung. Auch spielten wirtschaftliche Abhängigkeiten und Kinder eine Rolle. Es gebe die "Angst, dem Kind den Vater wegzunehmen".

Hilfe bei Anlaufstellen

 

Helfende könnten signalisieren: Ich bin da, wenn du möchtest, so Oberthür. Auch Hinweise auf Hilfe-Anlaufstellen seien immer eine gute Idee.