Bei einer Demonstration in München liegt ein abgeschnittener Zopf auf einem Plakat.
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Interview - Iran: FDP-Generalsekretär Djir-Sarai fordert mehr Sanktionen

Im Iran drohen die Revolutionsgarden, dass sie den Protesten ein Ende bereiten wollen. Mit einem Blutbad müsse man jederzeit rechnen, sagt FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai. Doch die Menschen im Iran ließen sich nicht einschüchtern. Von der EU fordert Djir-Sarai mehr Sanktionen.

Die Drohungen der Revolutionsgarden und der iranischen Führung seien nicht neu, sagt Djir-Sarai. Die gebe es im Grunde schon seit 1979, die Menschen seien bei jeder Gelegenheit unterdrückt worden. "Es gibt ja beinahe keine Oppositionsgruppe mehr im Iran. Die Frauenbewegung war im Grunde genommen die letzte Bewegung, die übrig war", so der FDP-Politiker. "Daran sind die Mullahs und Revolutionswächter gescheitert."

Djir-Sarai sieht einen großen Unterschied zu früheren Protesten. "Die Menschen bleiben auf der Straße", sagt er. "Und sie demonstrieren nach dem Motto: Jetzt erst recht." Im Gegenteil zu früher forderten sie nun keine Reformen, weil sie nicht glaubten, dass eine Reform der Islamischen Republik möglich ist. "Heute demonstrieren die Menschen für die Abschaffung der Islamischen Republik", so der FDP-Politiker.

Sorge um Atomabkommen?


Djir-Sarai forderte die EU auf, schärfere Sanktionen zu verhängen und betonte, diese dürften nicht das Volk treffen. "Wir brauchen Sanktionen, die die Islamische Republik - vor allem die Führung - treffen", betonte er. "Das ist entscheidend. Die Sanktionen der Europäischen Union waren bisher symbolischer Natur." Die USA und Kanada seien da schon deutlich weiter gegangen - und da müsse die EU jetzt folgen.

Bisher habe die EU "keine ernsthaften personenbezogenen Sanktionen" gegen Regimevertreter eingeführt, so der FDP-Generalsekretär. Man habe immer Angst gehabt, das Atomabkommen mit dem Iran könne dadurch gefährdet werden. "Ich halte das für falsch. Deswegen sage ich seit vielen Jahren: Die Europäische Union insgesamt braucht eine neue Iran-Strategie."

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