Eine Unterstützerin des früheren Präsidenten und Präsidentschaftskandidaten Luiz Inacio Lula da Silva hat sich das Wort "Liberdade" auf den Rücken geschrieben.
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Interview - Stichwahl in Brasilien: "Bolsonaro ist unberechenbar"

Am Sonntag wird in Brasilien ein neuer Präsident gewählt. Ex-Präsident Luiz Inácio Lula da Silva liegt klar vor Amtsinhaber Jair Bolsonaro, erklärt der Soziologe Sérgio Costa. Nicht vorherzusehen sei, ob Bolsonaro eine Niederlage akzeptieren wird.

Lula habe die deutlich besseren Chancen auf einen Wahlsieg am Sonntag, betont Costa. Amtsinhaber Bolsonaro werde den Vorsprung zu seinem Konkurrenten aller Voraussicht nach nicht aufholen können.

Costa: Wahlkampf geprägt von Vorwürfen

 

Der Wahlkampf sei von gegenseitigen Vorwürfen der Kandidaten und polarisierenden Themen wie Abtreibung geprägt gewesen, so der Professor am Lateinamerika-Institut der Freien Universität Berlin. "Die ganzen Debatten gingen an den wirklichen Problemen von Brasilien vorbei." Themen wie Bildung und medizinische Versorgung hätten nicht im Zentrum der Debatten gestanden. Lula habe zwar versucht, bestimmte Inhalte zu thematisieren. Dies sei aber kaum gelungen, auch weil der Herausforderer und Ex-Präsident sich hauptsächlich gegen Vorwürfe habe verteidigen müssen. "Dadurch wurde die Wählerschaft eigentlich nicht wirklich informiert, was beide Kandidaten vorhatten", sagt Costa.

Zuletzt hatte Bolsonaro immer wieder Zweifel an der Sicherheit des brasilianischen Wahlsystems geäußert. Was passieren werde, wenn er die Wahl am Sonntag verliert, sei nicht abzusehen. "Er ist unberechenbar", so Costa.