Das Twitterprofil von Elon Musk
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Interview - Medienexperte: "Diskursklima auf Twitter dreht nach rechts"

Elon Musk hat bei Twitter den Chefposten übernommen. Als erste Amtshandlungen feuerte er Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und hob lebenslange Sperren einiger User auf. Medienwissenschaftler und Autor Michael Seemann geht davon aus, dass sich das Diskursklima auf Twitter unter Musks Führung verändert - und deutlich nach rechts rückt.

Musk sehe Twitter als "Marktplatz der Ideen" und großen "Hauptplatz des Internets, wo die einzelnen Meinungen und Experten sich austauschen", sagt Seemann, der an der Universität Köln und an der Berliner Universität der Künste lehrt. Der Unternehmer plane unter anderem, die Moderation auf der Plattform noch weiter zurückzufahren.

"Musk geht es um politischen Einfluss"

 

Unter den entsperrten Personen seien etwa Verschwörungstheoretiker Alex Jones und Ex-US-Präsident Trump, erklärt Seemann. "Das sind natürlich Zeichen, die dahin gehen, dass das Diskursklima auf Twitter […] sehr, sehr viel stärker nach rechts drehen wird." Das entspreche Musks Vorstellung von Meinungsfreiheit, sagt der Medienwissenschaftler.

"Er hat auch eigentlich immer schon klargemacht bei dieser Übernahme, dass es ihm eben um diese politische Maßnahme geht - also nicht darum, viel Geld zu verdienen", so Seemann. "Es geht ihm wirklich um politischen Einfluss - darum, die Debattenkultur im Internet und damit auch in der Welt stark zu beeinflussen." Dafür sei Twitter ein gutes Tool.

Wenig Social-Media-Erfahrung

 

Er gehe davon aus, dass Musk stark selbst ins operative Geschäft eingreifen wird, sagt der Medienwissenschaftler. Der neue Konzernchef habe konkrete Vorstellungen und sei dafür bekannt, in den Prozessen eines Unternehmens gern Mikro-Management zu betreiben. "Gleichzeitig hat er aber auch nicht wirklich Erfahrung, was Social Media angeht - ein Bereich, der sehr, sehr komplex ist."

Dort sei politisches Feingefühl nötig sowie die Fähigkeit, Widersprüche auszuhalten, sagt Seemann. Es werde interessant, wie Musk das managen wird. Als Twitter-User sei er in den letzten Jahren eher für seine Ausfälle gegenüber anderen Personen aufgefallen. "Und er ist auch nicht wahnsinnig dafür bekannt, Meinungsfreiheit dort zu gewähren, wo es ihm nichts nützt."