Frankreichs Präsident Emmanuel Macron empfängt Bundeskanzler Olaf Scholz
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Interview - "Die deutsch-französische Freundschaft ist keine Selbstverständlichkeit"

Bundeskanzler Olaf Scholz war am Mittwoch zu Besuch in Frankreich. Die Stimmung zwischen den beiden Ländern ist derzeit angespannt. Christophe Arend, ehemaliger Abgeordneter der Nationalversammlung, bewertet das Treffen trotzdem als positiv. Die deutsch-französische Zusammenarbeit müsse mehr gepflegt werden.

Zwischen Deutschland und Frankreich gibt es Verwerfungen in der Energie- und Verteidigungspolitik. Der deutsch-französische Ministerrat wurde deshalb kurzfristig verschoben. Bei ihrem Treffen versuchten Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und Präsident Emmanuel Macron, Differenzen zu beheben und eine enge Zusammenarbeit zu beschwören. Beide werteten das Treffen als konstruktiv, jedoch: Eine gemeinsame Pressekonferenz der beiden Staatschefs blieb aus.

Arend: Brauchen mehr interkulturelle Vermittlung

 

Es sei immer gut, wenn sich die Vertreter der Länder an einen Tisch setzen und miteinander reden, betont Arend. "Deutsch-französische Zusammenarbeit und Freundschaft ist keine Selbstverständlichkeit - man muss sie pflegen." Dafür brauche es mehr Treffen zwischen den politischen Führern.

Arend zufolge gehen Probleme zwischen Deutschland und Frankreich häufig auf kulturelle Unterschiede zurück, die in der Innepolitik zu unterschiedlichen Gemengelagen führten. "Man hat in Frankreich und Deutschland nicht die gleiche Kultur." Um solche Konflikte aufzulösen brauche es mehr interkulturelle Vermittlung.

Deutsch-französische Freundschaft wie einen Schatz behandeln

 

Trotz der aktuellen Uneinigkeit müssten sich die beiden Länder den Herausforderungen stellen. Es gebe eine Verantwortung im Hinblick auf die Geschichte, so Arend. "Wir haben Europa hundert Jahre lang zertrümmert", sagt der Ex-Politiker. Nach dem Zweiten Weltkrieg sei die Versöhnung gelungen. Deshalb müsse man die deutsch-französische Freundschaft wie einen Schatz behandeln.

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