Die aktuelle Inflationsrate kommt auch im Supermarkt an, wo für die Bürgerinnen und Bürger vieles teurer wird.
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Interview - Fratzscher: "Wir erleben eine unsoziale Inflation"

Finanzminister Christian Lindner (FDP) stellt am Donnerstag das Ergebnis der Steuerschätzung vor. Es werden deutliche Mehreinnahmen erwartet. Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) kritisiert, dass der Staat Menschen mit geringen Einkommen zu wenig entlastet.

Laut der aktuellen Steuerschätzung kann der Staat in den nächsten Jahren mit deutlich höheren Steuereinnahmen rechnen. Bis 2026 seien es rund 110 Milliarden Euro mehr für Bund, Länder und Gemeinden zusammen gegenüber der Prognose aus dem Mai, berichtet das Handelsblatt.

Fratzscher: Wirtschaftliche Lage trotz hoher Steuereinnahmen nicht gut

 

"Der Staat ist der große Gewinner der Inflation", sagt Fratzscher. Trotzdem sei die wirtschaftliche Lage nicht gut, weil die Kaufkraft der Menschen abnehme. Auch die meisten Unternehmen litten unter der Energiekrise.

Durch die Mehreinnahmen habe der Staat mehr finanziellen Spielraum, um die Bürgerinnen und Bürger zu entlasten. Das sei mit den vier Entlastungspaketen auch bereits geschehen. "Die Frage ist halt immer nur, wer bekommt konkret das Geld", sagt Fratzscher. Hier liege ein Problem, weil Menschen mit weniger Geld viel mehr ihres Einkommens für die teurer gewordene Energie und Lebensmittel bezahlen müssen. "Das, was wir im Augenblick erleben ist eine zuhöchst unsoziale Inflation", so der Ökonom.

DIW-Präsident plädiert für Direktzahlung an Geringverdienende

 

Fratzscher zufolge wäre es besser, Hilfen auf Menschen mit niedrigen und mittleren Einkommen zu fokussieren, anstatt alle Bürgerinnen und Bürger zu begünstigen. Leider fehlten dem Staat im Moment die Daten, um diese Unterscheidung vorzunehmen - sie zusammenzutragen, werde mehrere Jahre dauern. "Und das ist die Tragik, weshalb man eben das Geld im Augenblick per Gießkanne verteilt."