Ein Mann raucht einen Joint mit Medizinalcannabis
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Interview - Suchtexpertin: Cannabis als Einstiegsdroge? Das ist ein Märchen

Cannabis und der Wirkstoff THC sollen nach Willen des Bundeskabinetts rechtlich nicht mehr als Betäubungsmittel eingestuft werden. Das sei gut, denn mit Strafandrohungen verhindere man keinen grundsätzlichen Konsum, sagt Nina Pritszens, Geschäftsführerin des Verbunds für integrative soziale und therapeutische Arbeit (Vista).

Grundsätzlich sei Pritszens für die Regulierung von Cannabis. "Wenn Cannabis zum Problem wird, und es ist tatsächlich eine Substanz, deren Konsum Risiken mit sich bringt, dann geht es darum, dass die Betroffenen Unterstützung brauchen – und keine Strafverfolgung. Die Strafverfolgung erleben wir als hinderlich.“

"Dieses Konzept ist nicht aufgegangen"

 

Dem Argument, viele Konsumenten von Cannabis würden später auch zu härteren Drogen greifen, entgegnet Pritszens: "Das ist das Märchen von der Einstiegsdroge. Das ist wissenschaftlich schon mehrfach widerlegt worden, dass Cannabis eine Einstiegsdroge für härtere Drogen wie zum Beispiel Heroin ist.“ Es spielten eher psychische oder seelische Nöte eine Rolle.

Wenn es darum gehe, Menschen davon abzuhalten, dass sie erst später konsumieren oder weniger konsumieren, sei es entscheidender, sie besser aufzuklären. Über Strafandrohung werde kein grundsätzlicher Konsum verhindert, das könne man bei Cannabis sehen: "Dieses Konzept ist nicht aufgegangenen.“ Deshalb müsse man einen anderen Weg gehen.

Bundeskabinett für Cannabis-Freigabe

Die Bundesregierung hat sich auch auf Eckpunkte für eine Cannabis-Legalisierung geeinigt. Das Kabinett stimmte für den Entwurf von Gesundheitsminister Lauterbach. Cannabis und der Wirkstoff THC sollen demnach rechtlich nicht mehr als Betäubungsmittel eingestuft werden.

Bis zu 30 Gramm soll man künftig straffrei erwerben und besitzen dürfen. Auch ein begrenzter Anbau für den Eigenbedarf soll möglich werden. Verkauft werden soll Cannabis nur an Erwachsene in lizensierten Fachgeschäften oder Apotheken. Ob es wirklich dazu kommt, ist aber offen. Ein konkreter Gesetzentwurf soll erst vorgelegt werden, wenn klar ist, dass die EU nicht gegen eine Cannabis-Freigabe vorgeht.