Chinesisches Cosco Schiff am Terminal Tollerort
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Interview - Hafen-Unternehmer über Cosco-Beteiligung: "Befürchtungen sind alle unbegründet"

Trotz starker Kritik hat das Bundeskabinett beschlossen, dass das chinesische Unternehmen Cosco 24,9 Prozent an einem Containerterminal im Hamburger Hafen erwerben darf. Eine solche Beteiligung sei weltweit üblich, sagt Gunther Bonz, Präsident des Unternehmensverbands Hafen Hamburg.

Im Ergebnis begrüße Bonz den Beschluss der Bundesregierung. "Die Befürchtungen, die vielfach geäußert werden, die Chinesen würden den Hafen übernehmen, sind alle unbegründet.“ Es gehe lediglich darum, dass ein Reeder Teilhaber werde an einer Betreibergesellschaft eines von vielen Terminals im Hamburger Hafen – "und diese sogenannten Reeder-Beteiligungen sind weltweit üblich.“

"Lieferketten sind gesichert"

 

Die größten Reeder-Beteiligungen an Terminals in europäischen Häfen hätten europäische Reeder. "Damit sind Lieferketten gesichert“, sagt Bonz. Dazu zählt er auch den Hamburger Hafen. Deshalb sehe er nicht die Gefahr, China könne zu viel Einfluss nehmen.

Die aufgeregte Debatte der vergangenen Tage sei nur zu erklären, weil durch den Ukraine-Krieg festgestellt worden sei, dass Deutschland sechzehn Jahre lang eine falsche Energiepolitik betrieben habe. "Nur vor dem Hintergrund ist diese aufgeregt Debatte zu verstehen.“ Es werde nicht der Hafen verkauft, wie es teilweise zu lesen gewesen sei.

Scholz verteidigt Hafengeschäft

Bundeskanzler Scholz weist Kritik am geplanten chinesischen Einstieg im Hamburger Hafen zurück.

Es handle sich nicht um einen Verkauf des Hafens, sondern nur um die Beteiligung an einem einzelnen Terminal, erklärte eine Sprecherin des Kanzlers in Berlin. Der Staatskonzern Cosco erhalte damit keinen strategischen Einfluss.

Das Bundeskabinett hatte zuvor beschlossen, dass das Unternehmen 24,9 Prozent an einem Containerterminal erwerben darf. Geplant waren 35 Prozent. Mehrere Ministerien hatten Bedenken geäußert. Sie sehen die Gefahr, dass China Einfluss auf wichtige deutsche Infrastrastruktur bekommt.