Ein Mann steht in einem zerstörten Haus in der Ukraine.
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Interview - Ost-Ausschuss über Ukraine-Konferenz: "Das ist keine Geberkonferenz"

Eine internationale Konferenz in Berlin berät am Dienstag, wie der Wiederaufbau der Ukraine ablaufen soll. Für die Unterstützung der Ukraine brauche es auch private Unternehmen, sagt Michael Harms, Geschäftsführer des Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft.

"Es gibt zwei Herausforderungen: Wir müssen einmal Soforthilfe leisten; uns unmittelbar engagieren, vor allen Dingen bei der zerstörten Energieversorgung vor dem Winter." Das gehe auch nicht ohne private Unternehmen, sagt Harms. "Und die zweite Aufgabe: Wir müssen den Wiederaufbau grundsätzlich mitdenken, also systematisch, nachhaltig und auch stabil für die Zukunft."

Für deutsche Unternehmen gibt es aus Sicht von Harms mehrere Sektoren der ukrainischen Wirtschaft, die sich für Investitionen lohnen. Dazu zählt er die Auto-Zulieferindustrie, aber auch die IT. "Da hat Ukraine wirklich große Wettbewerbsvorteile, da können wir von der Ukraine lernen und nicht umgekehrt."

Ukraine könne Energieversorger für die Zukunft werden

 

Außerdem nennt Harms die Bereiche der Land- und Ernährungswirtschaft, Transport, Infrastruktur und Logistik. Große Potenziale sieht er auch bei den Erneuerbaren Energien; die Ukraine "könnte ein interessanter Energieversorger für die […] Zukunft werden."

Die Perspektive der Ukraine auf einen EU-Betritt sei "ganz wichtig", weil solche Investitionen stabile Rahmenbedingungen bräuchten. Der beste und einfachste Rahmen wäre zu sagen: "[…] Wir adaptieren und nehmen EU-Vorschriften so früh wie möglich an – auch wenn wir noch nicht Mitglied sind.", sagt Harms. "Das ist eine sehr gute Garantie für Investoren."

Harms: "Das ist eine Strukturkonferenz."

 

Über die Wiederaufbaukonferenz am Dienstag in Berlin sagt der Geschäftsführer des Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft: "Das ist keine Geberkonferenz, das ist eine Strukturkonferenz, aber das ist glaube ich, mindestens genauso wichtig." Er begründet das mit der Koordinierung und Priorisierung der internationalen Hilfe, die eine der Grundvoraussetzung seien, damit die Hilfe in der Ukraine effektiv ankomme. "Wenn dort gute Ideen entwickelt werden, […], dann ist die Konferenz glaube ich ein Erfolg."

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