Eine Sonnenblume liegt auf dem Denkmal für die ermordeten Sinti und Roma Europas.
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Interview - Zentralrat der Sinti und Roma: Ausgrenzung wieder sichtbar

Seit zehn Jahren erinnert im Tiergarten ein Denkmal an die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas. Beim Festakt mit dabei sein wird Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrates der Sinti und Roma. Er sagt, auf politischer Ebene sei viel passiert gegen Antiziganismus, gesellschaftlich würden Vorurteile aber bestärkt.

Deutschland gelte mittlerweile als beispielhaft für die Unterstützung von Sinti und Roma, sagt der Vorsitzende des Zentralrates, Romani Rose. Politisch sei in der Bundesrepublik viel passiert. Aktuell würden aber alte Mechanismen wieder greifen, dass der Rechtsextremismus "Sündenböcke der Gesellschaft präsentieren will".

Zentralrat: Hass und Hetze gegen Sinti und Roma

 

Hassparolen und Hetze im Internet würden dazu beitragen, die Vorurteile zu verstärken, sagt Rose. Ausgrenzung und auch Gewalt würden wieder sichtbar werden. Dabei betont er, dass sich solche Angriffe nicht nur gegen Sinti und Roma richten. "Wir haben in der Gesellschaft wieder ein Problem: das ist das Problem der Angst. Und dafür werden andere Gruppen ganz einfach ausgegrenzt und verantwortlich gemacht und das zeigt sich auch in Gewalt."

Holocaust heißt auch die Vernichtung einer halben Million Sinti und Roma

 

Es gebe allerdings in Deutschland mittlerweile ein anderes Bewusstsein. Dieses bestehe darin, "dass Holocaust auch die Vernichtung einer halben Million Sinti und Roma heißt." Rose fordert, dass "man den Antiziganismus im zivilen Bereich genauso ächtet wie den Antisemitismus". Es gehe nicht um ein Sonderrecht für Sinti und Roma, sondern um gleiche Rechte.

Hintergrund: Antiziganismus

In der Arbeitsdefinition der Internationalen Allianz zum Holocaustgedenken wird Antiziganismus wie folgt beschrieben:

"Antiziganismus manifestiert sich in individuellen Äußerungen und Handlungen sowie institutionellen Politiken und Praktiken der Marginalisierung, Ausgrenzung, physischen Gewalt, Herabwürdigung von Kulturen und Lebensweisen von Sinti und Roma sowie Hassreden, die gegen Sinti und Roma sowie andere Einzelpersonen oder Gruppen gerichtet sind, die zur Zeit des Nationalsozialismus und noch heute als "Zigeuner" wahrgenommen, stigmatisiert oder verfolgt wurden bzw. werden. Dies führt dazu, dass Sinti und Roma als eine Gruppe vermeintlich Fremder behandelt werden, und ihnen eine Reihe negativer Stereotypen und verzerrter Darstellungen zugeordnet wird, die eine bestimmte Form des Rassismus darstellen."