ARCHIV: Ein Aufklärungsflugzeug der US-Marine fliegt am 10.11.1962 vor der Küste Costa Ricas über das US-Kriegsschiff USS-Barry (vorne) und den sowjetische Frachter Anosow.
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Interview - Früherer US-Botschafter 60 Jahre nach Kubakrise: Lage heute eine andere

Vor 60 Jahren war die Gefahr eines weltweiten Atomkriegs so groß wie nie: In der Kubakrise bedrohten sich die Sowjetunion und die USA mit dem Einsatz von Atomwaffen. Im Ukraine-Krieg befürchten viele eine ähnliche Situation. Die Lage heute sei aber eine ganz andere, sagt John Kornblum, ehemaliger US-Botschafter in Deutschland.

Ausschlaggebend dafür, dass es in der Kubakrise nicht zu einem Atomschlag gekommen sei, sei die Mischung aus militärischen und diplomatischen Anstrengungen des damaligen Präsidenten John F. Kennedy gewesen. Zu diesem Schluss kommt der ehemalige US-Botschafter John Kornblum 60 Jahre danach. Im Ukraine-Krieg sei diese Strategie nicht möglich, denn: "Ich sehe im Moment keine Chance für Verhandlungen mit Putin."

Kornblum: Atomwaffendrohung als Ausgleich von Putins Schwäche

 

Die Lage jetzt sei eine ganze andere als in der Kubakrise. Putin habe bereits einen Krieg angefangen. Diesen verliere er und drohe deshalb mit Atomwaffen als "Ausgleich seiner Schwäche", sagt der frühere Botschafter. Zudem sei die Sowjetunion damals nicht so sehr auf einen einzelnen Führer zugeschnitten gewesen, wie es heute in Russland der Fall sei.

Kornblum lehnt allerdings die Forderung ab, die militärische Unterstützung für die Ukraine aus Angst vor einem russischen Atomschlag einzustellen. Denn das "wäre ein Riesenverlust für den Westen und für die Freiheit in Europa".

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