Krane und Container am Containterterminal Tollerort im Hamburger Hafen.
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Interview - Experte zur Debatte um Hamburger Hafen: China hat maritime Strategie

Der geplante Einstieg eines chinesischen Konzerns im Hamburger Hafen sorgt für Streit in der Koalition: Grüne und FDP sind dagegen, während das SPD-Kanzleramt diesen wohl erlauben will. Experte Thomas Bonschab sagt, mit einer Beteiligung hätte China zwar keine direkte Mitsprache, sie wäre aber Teil einer geopolitischen Strategie.

Nach einem Bericht von NDR und WDR will das Kanzleramt die Beteiligung eines chinesischen Staatskonzerns an einem Containerterminal im Hamburger Hafen erlauben - gegen den Willen mehrerer Ministerien. Politikerinnen und Politiker von FDP und Grünen sprechen sich gegen den Entstieg der Reederei aus.

Die mögliche Motivation von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), die chinesische Beteiligung zu erlauben, sieht Thomas Bonschab darin, die Konkurrenzfähigkeit des Hafens in Europa aufrechtzuerhalten. Der Chinaexperte, der Geschäftsführer der Beratungsfirma TiNC International für Politik und Wirtschaft ist, sagt aber: "In meinen Augen ist das etwas zu kurz betrachtet."

Bonschab: China verfolgt geopolitische Strategie

 

Seiner Einschätzung nach sei es nicht zielführend, wenn sich die europäischen Häfen Konkurrenz machen. Und Bonschab betont: "Der Einfluss von China muss nicht so aussehen, dass sie direkten Einfluss auf die Geschäftsentscheidungen treffen. Sie tun es einfach dadurch, dass sie überall präsent sind." Denn mit einer Minderheitenbeteiligung, wie sie in Hamburg geplant ist, könne das Staatsunternehmen keine Vorschriften machen. Durch den systematischen Zugang zu europäischen Häfen habe China aber "so etwas wie eine geopolitische Strategie verfolgt".

Geschäft auf Reziprozität

 

Sollte die Bundesregierung an der Beteiligung am Hamburger Hafen festhalten wollen, empfiehlt der Chinaexperte, Zugang einzufordern zu Häfen in China oder zu solchen, an denen das Land beteiligt ist: "Dann wird ein Geschäft auf Reziprozität geführt."

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