Drohnenangriff auf Kiew
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Interview - Sicherheitsexpertin: Drohnen gegen die kritische Infrastruktur

Russland hat für die Angriffe auf Kiew und andere Städte iranische Drohnen verwendet. Vor allem sogenannte Kamikaze-Drohnen kommen dabei zum Einsatz, sagt die Sicherheitsexpertin Ulrike Franke vom European Council on Foreign Relations. Damit könne Russland weit hinter den Frontlinien Angriffe fliegen.

Russland steht in der Ukraine an der Front unter Druck. Deswegen hat die russische Militärführung nun offenbar ihre Strategie geändert: Sie setzt jetzt zunehmend iranische Drohnen ein. Die sorgen in ukrainischen Städten für Angst und Schrecken. Auch kritische Infrastruktur wird angegriffen, wie etwa Elektrizitätswerke. Bereits 30 Prozent der E-Werke sind zerstört, mehr als 1100 Gemeinden sind ohne Strom. Russland und der Iran bestreiten den Einsatz iranischer Drohnen.

Vorrangig Kamikaze-Drohnen im Einsatz

 

Ulrike Franke ist Expertin für derartige Waffensysteme beim European Council on Foreign Relations (ECFR). Sie sagt, momentan werden vor allem sogenannte Kamikaze-Drohnen eingesetzt, die nur einmal verwendet werden können. "Diese Systeme werden in die Luft gebracht, kreisen eine Zeit lang, fliegen eine Zeit lang und stürzen sich dann auf das Ziel, explodieren mit dem System, mit dem Ziel und sind deswegen auch nur eben einmal einsetzbar."

Kritische Infrastruktur als Ziel

Mit diesen Drohnen könne Russland weit hinter den Frontlinien, im ukrainischen Kernland, Angriffe fliegen. "Diese Drohnen sind relativ schwierig zu entdecken und relativ schwierig abzuschießen. Also, ich sage immer relativ, weil wenn man sie erstmal gefunden hat und wenn man das richtige Equipment quasi hat, dann kann man sie auch abschießen. Aber die Ukraine kann natürlich nicht einfach jeden Teil ihres Landes kontrollieren." Diese Drohnen würden es Russland erlauben, im ganzen Land Terror zu verbreiten und kritische Infrastruktur anzugreifen, so die Expertin. Ein Ziel sei es auch, "die militärische Fähigkeit der Ukraine zum Teil zu binden, weil es eben bedeutet, dass das ukrainische Militär beschäftigt damit ist, in den Himmel zu gucken und, ja, Flugabwehr zu garantieren."

Taktischer Einsatz der Drohnen

Bei einem russischen Angriff würden immer mehrere Drohnen gemeinsam losgeschickt. Vorteil sei dabei, dass die Chance ein ausgewähltes Ziel zu treffen, steigt, außerdem multipliziere sich die Sprengkraft. Auch eine andere Taktik kann dahinterstecken, so Franke: "Man fliegt einen Angriff. Und dann wartet man ein paar Minuten. Und wenn dann die Helfer, also Krankenwagen, Feuerwehr und Co. und einfach zivile Helfer kommen, dann kann man nochmal zuschlagen. Das nennt sich so zynisch 'Double Tap', also quasi zwei Mal geschlagen und auch davon wurde bereits berichtet - in Kiew und anderswo."