Das Logo der britischen Rundfunkanstalt BBC (British Broadcasting Corporation) ist an einem Gebäude zu sehen
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Interview - 100 Jahre BBC: Große Strahlkraft

Die BBC gilt als Vorbild für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk weltweit. Doch zu ihrem 100. Geburtstag am 18. Oktober steht sie politisch unter Druck. Der britische Labour-Abgeordnete und ehemalige BBC-Reporter Ben Bradshaw sagt, die BBC sei im Herzen der Bevölkerung so verankert, dass er nicht glaubt, dass sie irgendwann abgeschafft wird.

"This is London calling!" Diese Worte waren Verheißung auf Freiheit im von Nazi-Deutschland besetzten Europa im Zweiten Weltkrieg. Verbreitet hat sie sie britische BBC - so etwas wie die Mutter des öffentlich-rechtlichen Radios und Fernsehens. Am 18. Oktober wird sie 100 Jahre alt.

Strahlkraft der BBC

Ben Bradshaw ist Labour-Abgeordneter im britischen Unterhaus und war selbst lange bei der BBC, unter anderem als Korrespondent in Deutschland während des Mauerfalls. Für Bradshaw ist die BBC nach wie vor eine der wichtigsten Institutionen in Großbritannien und der Welt. Sie habe eine größere Strahlkraft als das British Empire. Dazu sei sie in den Bereichen Kultur, Unterhaltung und Information immer noch die wichtigste Nachrichtenquelle - obwohl sie unter der konservativen Regierung zuletzt immer weiter unter Druck geraten ist.

 

Beitragsfinanzierung politisch in Frage gestellt

Der BBC wird von politischer Seite Parteinahme vorgeworfen. Die Erhöhung der Beitragsfinanzierung wurde eingefroren, die konservative Regierung unter Ex-Premier Boris Johnson hatte angekündigt die Beitragsfinanzierung 2027 ganz abschaffen zu wollen. Dadurch habe der Senderverbund an vielen Stellen kürzen müssen, man habe viele Journalisten verloren. Dass die BBC irgendwann ganz abgeschafft wird, das glaubt Bradshaw nicht. Dazu spiele die BBC "im Herzen der Bevölkerung" eine zu große Rolle.

Vorbild für Objektivität und Ausgewogenheit

Ihren guten Ruf hat die BBC laut Bradshaw vor allem ihrer Berichterstattung während des Zweiten Weltkriegs zu verdanken. Sie habe damals nicht nur über die Siege der Alliierten berichtet, sondern auch über deren Fehler. Während Hörer anderer Länder ihren nationalen Medien nicht mehr glauben konnten, habe die BBC objektiv und ausgewogen berichtet. Damit sei die BBC auch für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland zum Vorbild geworden.