Charkiw: Ukrainische Soldaten bedienen Kriegsgerät an der Frontlinie
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Interview - Verteidigungsexpertin: "Die Drohung mit der Bombe ist die Waffe"

Verletzte Menschen und beschädigte Häuser: In der Ukraine halten die russischen Angriffe an. Claudia Major, Expertin für Verteidigungs- und Sicherheitspolitik, sagt, die westlichen Staaten müssen sich genau überlegen, wie weit sie in ihrer Unterstützung gehen wollen. Aus russischer Sicht seien sie längst Kriegspartei.

Berlin bekommt heute einen neuen Ukraine-Botschafter: Oleksij Makejew. Noch bevor ihn Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier offiziell akkreditiert hat, hat er sich schon zu Wort gemeldet: „Die Ukraine wird den Krieg gegen Russland gewinnen, je schneller, desto besser!“ Zusammen mit den deutschen und anderen europäischen Partnern könnte das gelingen. Aber wie?

Schmaler Grat zwischen Unterstützung und Eingreifen

Claudia Major, Expertin für Verteidigungs- und Sicherheitspolitik bei der Stiftung Wissenschaft und Politik, sagt, der Westen liefere in verschiedenen Punkten die richtige Unterstützung: finanziell, politisch und militärisch. Die Forderungen der Ukraine gehen jedoch weiter. Vor allem mehr militärische Unterstützung fordert das Land. Doch Major erklärt, der Westen befindet sich auf einer sehr schmalen "Linie zwischen wir unterstützen die Ukraine soviel wie möglich, weil sie das Recht hat, sich gegen diesen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg zu schützen, ohne selbst aktiv Kriegspartei zu werden. Das ist dieser ganz feine Grat, auf dem sich die westlichen Staaten seit Februar befinden."

Konflikt mit Russland um jeden Preis vermeiden

Völkerrechtlich gesehen sei ein Land Kriegspartei, sobald es sich selbst mit Truppen beteiligt. Politisch gesehen, seien die westlichen Staaten aus russischer Sicht längst Kriegspartei, analysiert die Verteidigungsexpertin. Um einen direkten Konflikt mit Russland zu vermeiden, sei es daher wichtig abzuwegen, wie weit die Unterstützung der westlichen Staaten geht. "Und ein direkter Konflikt der Nato mit Russland wäre katastrophal für die europäische Sicherheit und auch auf internationaler Ebene."

Nukleare Bedrohung: Mächtige Worte

Seit Kriegsbeginn ist die nukleare Bedrohung gewachsen. Major hält das Risiko des Einsatzes von Atomwaffen dennoch für extrem gering. In der Forschung heißt es laut der Expertin der Stiftung Wissenschaft und Politik: "Allein schon die Drohung mit der Bombe ist die Waffe. Das heißt, allein dass Putin die Möglichkeit in den Raum stellt, soll uns westliche Gesellschaften Angst einjagen und uns verunsichern."