Ein Grundschüler sitzt an einem Tisch und schreibt mit einem Kugelschreiber in sein Heft.
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Interview - Bildungstrend: Klare Einbußen in den vergangenen Jahren

Als besorgniserregend bezeichnen die Autorinnen und Autoren des Bildungstrends ihre Ergebnisse. Demnach sind die Leistungen der Viertklässler in Deutsch und Mathe in den vergangenen Jahren noch schlechter geworden. Karoline Sachse, Mitherausgeberin der Studie, zeigt sich nicht nur über den negativen Trend besorgt.

Im Untersuchungszeitraum des Bildungstrends von 2016 bis 2021 habe es in allen getesteten Kompetenzen klare Einbußen bei den Leistungen der Viertklässler gegeben, sagt die Psychologin Karoline Sachse. Sie arbeitet am Institut für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen an der Humboldt-Uni Berlin und ist eine der Herausgeberinnen der Studie. Es habe zwar auch vorher schon negative Trends gegeben, sagt sie, die jetzt aber "deutlicher sind und deutlich verstärkter".

Bildungstrend: Pandemiebedingte Einschränkungen haben Rolle gespielt

 

Mit der Benennung von Ursachen wolle sie zwar zurückhaltend sein, betont Sachse. Aber dennoch sagt sie angesichts der Ergebnisse: "Man kann eigentlich davon ausgehen, dass die pandemiebedingten Einschränkungen des Schulbetriebs da auch eine Rolle gespielt haben."

Neben dem allgemeinen negativen Trend sei besonders besorgniserregend, dass die Ergebnisse für Kinder mit Zuwanderungshintergrund und aus sozial benachteiligten Familien zum Teil "noch deutlich ungünstiger ausfallen". In den Daten sei deutlich zu sehen, dass die Schere zwischen ihnen und denen aus sozial privilegierteren Familien auseinandergehe.

Besonderheiten in Berlin und Brandenburg

 

In Berlin und Brandenburg würden allerdings beide Gruppen "gleichermaßen ein bisschen" abstürzen im Vergleich zum vorherigen Untersuchungszeitraum. "Das heißt bei den sozialen Disparitäten geht es in Berlin und Brandenburg gar nicht so ungerecht einher." Insbesondere die Kinder mit Zuwanderungshintergrund seien aber deutlich von Kompetenzeinbußen betroffen - in Brandenburg noch stärker als in Berlin.

Ergebnisse für Berlin und Brandenburg

Laut den Ergebnissen der Bildungsstudie erreichen 45 Prozent der Viertklässler in Berlin und Brandenburg bei der Rechtschreibung nicht einmal die Mindeststandards der Kultusministerkonferenz. Nirgendwo in Deutschland schneiden die Schüler schlechter ab. Auch in Mathematik liegen die Berliner und Brandenburger Viertklässler unter dem Bundesschnitt.

Die Untersuchung, die die Berliner Humboldt-Universität im Auftrag der Kultusministerinnen und -minister der Länder erstellt hat, zeigt, dass das Leistungsniveau deutschlandweit in den vergangenen zehn Jahren gesunken ist. Die Autoren der Studie führen das unter anderem auf Einschränkungen durch die Corona-Pandemie zurück. Es gab oft wochenlang nur Fern- oder Wechselunterricht. Außerdem haben Kinder aus sozial benachteiligten Familien deutlich mehr Kompetenzen eingebüßt als der Durchschnitt.

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Stühle auf den Tischen in einem Klassenzimmer einer Grundschule im Berliner Ortsteil Prenzlauer Berg
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Interview - Prien zum Bildungstrend: Besorgniserregend und ernüchternd

Alle fünf Jahre werden die Kompetenzen in Deutsch und Mathe bei Viertklässlern repräsentativ untersucht. Das Ergebnis 2022: Jeder Fünfte hat Probleme mit dem Lesen und Rechnen, sogar fast jeder Dritte mit der Rechtschreibung. Für Karin Prien (CDU) kommen diese Ergebnisse angesichts der Pandemie nicht ganz unerwartet.