Stühle auf den Tischen in einem Klassenzimmer einer Grundschule im Berliner Ortsteil Prenzlauer Berg
dpa
Bild: dpa Download (mp3, 8 MB)

Interview - Prien zum Bildungstrend: Besorgniserregend und ernüchternd

Alle fünf Jahre werden die Kompetenzen in Deutsch und Mathe bei Viertklässlern repräsentativ untersucht. Das Ergebnis 2022: Jeder Fünfte hat Probleme mit dem Lesen und Rechnen, sogar fast jeder Dritte mit der Rechtschreibung. Für Karin Prien (CDU) kommen diese Ergebnisse angesichts der Pandemie nicht ganz unerwartet.

Als besorgniserregend und ernüchternd bezeichnet Karin Prien (CDU) die Ergebnisse des IQB-Bildungstrends, mit dem die Leistungen von Viertklässlern untersucht werden. Die schleswig-holsteinische Bildungsministerin ist zurzeit Vorsitzende der Kultusministerkonferenz. Ganz unerwartet seien die Ergebnisse für sie nicht gewesen: "Denn sie haben natürlich auch etwas mit den zweieinhalb Jahren Pandemie zu tun und den Pandemiefolgen, die Kinder und Jugendliche besonders treffen", sagt Prien.

Prien: Schulen müssen veränderter Gesellschaft begegnen

 

Es sei allerdings falsch, die Ergebnisse nur auf die Pandemie zu schieben, es gebe auch andere Effekte. So sei Deutschland mittlerweile eine Einwanderungsgesellschaft. Die Schulen würden es offensichtlich noch nicht hinreichend schaffen, "diesem Zuwachs bei Kindern mit Migrationshintergrund und insgesamt der veränderten gesellschaftlichen Situation so zu begegnen, dass auch wirklich alle Kinder gute Bildungschancen haben."

Bildung in der Kita und Corona-Aufholprogramm

 

Um Ungleichheiten auszugleichen, müsse schon viel früher in der Bildung angesetzt werden. "Das bedeutet, wir müssen stärker beginnen, in der Kita Deutsch als Bildungssprache zu vermitteln", sagt die CDU-Politikerin. Gleiches gelte für Vorläuferfähigkeiten für die Schule. Zudem sei es angesichts der Studienergebnisse wichtig, die Corona-Aufholprogramme für die schwächeren Schülerinnen und Schüler fortzusetzen.

Ergebnisse für Berlin und Brandenburg

Laut den Ergebnissen der Bildungsstudie erreichen 45 Prozent der Viertklässler in Berlin und Brandenburg bei der Rechtschreibung nicht einmal die Mindeststandards der Kultusministerkonferenz. Nirgendwo in Deutschland schneiden die Schüler schlechter ab. Auch in Mathematik liegen die Berliner und Brandenburger Viertklässler unter dem Bundesschnitt.

Die Untersuchung, die die Berliner Humboldt-Universität im Auftrag der Kultusministerinnen und -minister der Länder erstellt hat, zeigt, dass das Leistungsniveau deutschlandweit in den vergangenen zehn Jahren gesunken ist. Die Autoren der Studie führen das unter anderem auf Einschränkungen durch die Corona-Pandemie zurück. Es gab oft wochenlang nur Fern- oder Wechselunterricht. Außerdem haben Kinder aus sozial benachteiligten Familien deutlich mehr Kompetenzen eingebüßt als der Durchschnitt.

Auch auf rbb24inforadio.de

Ein Grundschüler sitzt an einem Tisch und schreibt mit einem Kugelschreiber in sein Heft.
dpa

Interview - Bildungstrend: Klare Einbußen in den vergangenen Jahren

Als besorgniserregend bezeichnen die Autorinnen und Autoren des Bildungstrends ihre Ergebnisse. Demnach sind die Leistungen der Viertklässler in Deutsch und Mathe in den vergangenen Jahren noch schlechter geworden. Karoline Sachse, Mitherausgeberin der Studie, zeigt sich nicht nur über den negativen Trend besorgt.