Welcome Hall für Flüchtlinge aus der Ukraine
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Interview - Ukraine: Migrationsforscher Knaus befürchtet noch viele weitere Geflüchtete

Viele Kommunen klagen über hohe Belastungen durch Geflüchtete aus der Ukraine und anderen Regionen. Gerald Knaus, Migrationsexperte und Leiter des Think Tanks "Europäische Stabilitätsinitiative" spricht von der größten Fluchtbewegung in Europa seit den 1940-Jahren und befürchtet, dass im Winter noch viel mehr kommen könnten.

Angesichts steigender Flüchtlingszahlen hat Bundesinnenministerin Nancy Faeser nach dem Flüchtlingsgipfel am Dienstag den Kommunen 56 Bundesimmobilien zugesagt. 4000 Menschen hätten da Platz. Ob das genügt, ist fraglich: In den Kommunen werden bereits Parallelen zu der Situation von 2015/16 gezogen.

Zahlenmäßig stimme das, sagt der Migrationsforscher Gerald Knaus vom Think Tank "Europäische Stabilitätsinitiative" sagt, aber ansonsten sei es eine vollkommen andere Geschichte: "Von den 145 000, die in diesem Jahr in Baden-Württemberg Schutz bekamen, sind ungefähr 13 000 Asylsuchende aus anderen Ländern – und 130 000 Ukrainer."

"Die größte Fluchtbewegung in Europa seit den 1940ern"

Die Fluchtbewegung aus der Ukraine in die Europäische Union sei die "größte Fluchtbewegung in Europa seit den 1940er-Jahren. So etwas gab es in Europa seit Jahrzehnten nicht", so Knaus. Und es sei leider zu befürchten, dass im Winter noch einmal mehr Menschen fliehen müssten.

Eine weitere Parallele zu 2015/16: Die Menschen verteilen sich wieder nur auf wenige Schultern, sagt der Migrationsforscher: "Was wir jetzt erleben, ist eine Situation wo pro Kopf in Tschechien und Polen dreimal mehr Ukrainer sind als in Deutschland, wo aber westlich von Deutschland, in Spanien, Italien und Frankreich zusammengenommen weniger Ukrainer sind als nur in Tschechien."