Bau einer Gewerbeimmobilie
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Interview - Baugenossenschaft: Mit gesenkten Standards zu mehr Wohnraum

Der Wohngipfel soll zeigen, wie im Land 400 000 neue Wohnungen jährlich gebaut werden können. Jens Kahl von der Berliner Baugenossenschaft schlägt vor, Standards zu senken und auf mehr serielles Bauen zu setzen.

Beim Wohngipfel im Kanzleramt sollen am Mittwoch Eckpunkte vorgestellt werden, wie die Regierung das Ziel von 400 000 neuen Wohnungen pro Jahr realisieren will. Jens Kahl ist Architekt und Vorstand der Berliner Baugenossenschaft. Er sieht im Moment noch eine Menge Probleme.

Man muss "an bestimmten Punkten Abstriche machen"

Die Genehmigungsverfahren seien viel zu lange, man habe eine Art "Behörden-Ping-Pong". Außerdem würden die Normen immer höher und das Bauen dadurch immer teurer. Die Preise für Bauland seien ebenfalls teurer geworden. Noch viel entscheidender sei aber der Umstand, dass der Anteil der Fremdfinanzierung steige, sagt Kahl: "Wir haben höhere Zinsen, mehr Kredite – und das wirkt sich noch viel negativer aus, als die Baupreise."

Wenn man tatsächlich das Ziel von 400 000 Wohnungen pro Jahr erreichen wolle, müsse man sich drauf einigen, die Standards zu senken, so Kahl: "Es ist ein Dilemma. Man möchte einerseits die Sicherheit der Menschen gewährleisten, man möchte den Komfort haben, man möchte nachhaltig sein und Kosten sparen. Und ich glaube, es ist jedem verständlich, dass das alles auf einmal nicht gehen wird. Irgendwie muss man an bestimmten Punkten Abstriche machen."

Serielles Bauen muss nicht aussehen wie "WBS 70 - Plattenbauten"

Kahl verweist auf die Niederlande, wo die Regelungen um 75 Prozent reduziert worden seien. Dort habe man gesagt: "Wir geben euch nur noch ein Ziel vor, was ihr erreichen müsst, aber gar nicht den Weg, wie ihr dahin kommt. Und ich glaube, das sind richtige Konzepte, […] damit man neue Ideen entwickeln kann."

Eine Möglichkeit, günstig und schnell Wohnraum zu schaffen, sei das serielle Bauen. Da hätten allerdings viele Menschen Vorurteile, sagt Kahl: "Die denken dann immer an WBS 70-Plattenbausiedlungen aus der DDR. […] Ich glaube, da müssen wir die Bevölkerung auch mitnehmen, dass die davor keine Angst haben. […] Das kann auch gut aussehen."

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