Ein Logo steht im Foyer der Hauptverwaltung des Energieversorgungsunternehmens Uniper in Düsseldorf (Bild: dpa / Oliver Berg)
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Interview - Ökonom zur Verstaatlichung von Uniper: Gasumlage könnte fallen

Deutschlands größter Gasimporteur Uniper soll verstaatlicht werden. Sofort günstigeres Gas würde das wohl nicht bedeuten, vermutet der Ökonom Hans-Peter Burghof. Er kann sich vorstellen, dass die Gasumlage fällt.

Deutschlands wichtigster Gas-Importeur Uniper ist durch den Lieferstopp aus Russland in eine bedrohliche Schieflage geraten. Die Gasumlage - eine zusätzliche Abgabe von Verbrauchern und Unternehmen - sollte helfen, Uniper und andere Energieversorger zu stützen. Doch nun scheint der deutsche Staat den Energiekonzern zu übernehmen zu wollen. Das sorgt auch für Diskussionen über die umstrittene Gasumlage, auch wenn Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck sie, wie geplant, zum 1. Oktober einführen möchte.

Welche Folgen hat eine staatliche Übernahme von Uniper? Hans-Peter Burghof ist Inhaber des Lehrstuhls für Bankwirtschaft und Finanzdienstleistungen an der Universität Hohenheim. Er vermutet, dass die Gaspreise für Verbraucher und Unternehmen erst einmal nicht günstiger werden: "Man bleibt vermutlich zunächst auf den alten Verträgen sitzen. Aber möglicherweise entfällt die Gasumlage. Aber das ist ja etwas, das ausgefochten wird innerhalb kürzester Zeit mit juristischen Argumenten. Kann die Gasumlage so überhaupt noch stattfinden, wenn Uniper verstaatlicht ist?"

Gasumlage schon immer "merkwürdig"

Juristisch können Burghof die Gasumlage nicht bewerten. Als Ökonom empfindet er sie jedoch als "merkwürdiges Tier": "Man greift einfach in alle privaten Verträge ein und setzt dann nochmal was drauf – so geht das eigentlich auch nicht richtig." Er könne sich gut vorstellen, dass die Gasumlage fällt, weil sie als Instrument alle Bürger belastet. Die Belastung käme dann zwar später über Steuern, aber das Problem wäre immerhin in die Zukunft geschoben.

Nur Unternehmen der Kerninfrastruktur retten

Dass damit nun eine Welle von Verstaatlichungen beginnt, glaubt Burghof nicht. Der Staat käme da an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit. Man müsse sich deswegen darauf beschränken, nur wirklich systemrelevante Unternehmen zu retten, die zur Kerninfrastruktur zählen. Das sei in der Vergangenheit, beispielsweise bei Tui, nicht immer so gewesen.